Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Erster Band. (1)

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nicht  anders.  Gott  helfe  mir!  Amen.“  Er  wurde  in  die  Acht  erklärt,  und  seine  Lehre
verboten,  aber  sein  Kurfürst,  Friedrich  der  Weise,  hielt  ihn  auf  der  Wartburg
verborgen.  Hier  fing  er  an,  die  Bibel  in  die  deutsche  Sprache  zu  übersetzen.  Bald
kehrte  er  jedoch  nach  Wittenberg  zurück,  wo  der  Bilderstürmer  Karlstadt  Unruhen
erregt  hatte,  und  lehrte  dort,  unterstützt  von  seinen  Freunden:  Philipp  Melanchthon,
  Justus  Jonas,  Johann  Bugenhagen,  weiter.  Katharina  v.  Bora.

Seine  Lehre  gründete  sich  besonders  darauf,  daß  man  durch  den  Glauben
aus  Gnaden  vor  Gott  gerecht  werde,  daß  das  Haupt  der  Christenheit  Christus,
und  die  heilige  Schrift  die  einzige  Quelle  unsers  Glaubens  und  Richtschnur  unsers
Wandels  sein  müsse.  Seine  volkstümlichen  Schriften:  deutsche  Bibel,  gr.  und
kl.  Katechismus,  Lieder  trugen  viel  zur  Ausbreitung  seiner  Lehre  bei.  Nachteilig
  waren  der  Ausbreitung  derselben  die  sogenannten  Bauernaufstände  in
Schwaben  und  Franken  (1525),  das  Auftreten  des  Thomas  Münzer  in  Thüringen
(1526),  des  Wiedertäufers  Johann  v.  Leyden  in  Münster  (1535).  Sie  verwechselten
  die  bürgerliche  Freiheit  mit  der  religiösen.  —  Kaiser  Karl  V.  wollte  die
neue  Lehre  unterdrücken.  Die  7  luth.  deutschen  Fürsten,  unter  welchen  Johann
der  Beständige,  Bruder  des  schon  verstorbenen  Friedrich  des  Weisen,  und  Landgraf
  Philipp  der  Großmütige  von  Hessen  die  mächtigsten  waren,  schlossen  1526
das  Bündnis  zu  Torgau.  Als  auf  dem  Reichstage  zu  Speier  1529  die  Ausbreitung
  ihrer  Lehre  verboten  wurde,  protestierten  sie  dagegen  (Protestanten),  legten
am  25.  Juni  1530  auf  dem  Reichstage  zu  Augsburg  ihr  Glaubensbekenntnis
ab  (Augsburgische  Konfession)  und  schlossen,  als  der  Kaiser  Gewalt  gegen
sie  anwenden  wollte,  1531  den  Bund  zu  Schmalkalden.  Auswärtiger  Kriege
wegen  mußte  der  Kaiser  die  Hilfe  der  Protestanten  beanspruchen  und  gewährte  ihnen
im  Religionsfrieden  zu  Nürnberg  1532  freie  Religionsausübung.  Luther
starb  den  18.  Februar  1546  zu  Eisleben.

b.  Reformation  in  andern  Ländern.  Ulrich  Zwingli  hatte  von  1518—31
eine  Reformation  in  der  Schweiz  herbeigeführt.  Calvin  setzte  sie  nach  Zwinglis
Tode  (in  der  Schlacht  bei  Kappel)  fort.  Ihre  Lehre  stimmte  mit  der  Luthers  nicht
ganz  überein  (Abendmahl).  Die  Anhänger  derselben  werden  Reformierte  genannt.
Sie  sind  besonders  in  Frankreich,  der  Schweiz,  Westdeutschland  und  den  Niederlanden
  verbreitet.

§  9.  Religionskriege  in  Deutschland.  a.  Der  schmalkaldische  Krieg  v.  1546
bis  1547.  Die  religiösen  Angelegenheiten  in  Deutschland  sollten  auf  der  Kirchenversammlung
  zu  Trient  1545  geordnet  werden.  Als  die  Protestanten  diese  aber  gar
nicht  beschickten,  sprach  der  Kaiser  die  Acht  über  sie  aus,  und  es  begann  der  schmalkaldische
  Krieg  (gegen  den  schmalkaldischen  Bund).  Der  Kaiser  besiegte  zunächst
Philipp  von  Hessen,  dann  Johann  Friedrich  von  Sachsen  in  der  Schlacht  bei
Mühlberg.  Beide  Fürsten  wurden  gefangen  genommen.  Das  Kurfürstentum
Sachsen  gab  der  Kaiser  dem  mit  ihm  verbündeten  protestantischen  Herzoge  Moritz
von  Sachsen.  Moritz  aber  wurde  dem  Kaiser  wieder  untreu.  Er  überfiel  denselben
in  Innsbruck  und  zwang  ihn  zu  dem  Passauer  Vertrage,  dem  1555  der  Religionsfrieden
  zu  Augsburg  folgte,  in  welchen  den  Protestanten  volle  Religionsfreiheit
  und  gleiche  Rechte  mit  den  Katholiken  in  Deutschland  zugestanden  wurden.

b.  Der  dreißigjährige  Krieg  von  1618—48.  1.  Pfälzisch-böhmische  Kriegszeit
  von  1618—24.  Die  Protestanten  in  Böhmen  waren  darüber  unzufrieden,  daß
der  Kaiser  den  Bau  evangel.  Kirchen  beschränkte.  Deshalb  begab  sich  eine  bewaffnete
  Schar  in  die  Königsburg  zu  Prag  und  warf  dort  Kaiserliche  Beamte  zum
Fenster  hinaus.  Sie  sagten  sich  vom  Kaiser  Ferdinand  II.  los  und  wählten
Friedrich  V.  von  der  Pfalz  zum  Könige.  Der  wurde  aber  1620  auf  dem