Nahrungsmittel. 79
Semüse.
Als Gemüse bezeichnet man alle eßbaren Blätter, Stengel, Kräuter
und Wurzeln oder unreife Früchte. Damit deuten wir ein großes Gebiet
von Nahrungsmitteln an, deren Art je nach Bodenverhältnissen und Feldbau
sehr verschieden ist. Es gibt so viele eßbare Pflanzen, daß wir sie nicht
alle anführen können. Wir beschränken uns somit auf die bekanntesten.
Kamen bei den Samen hauptsächlich die Mehlstoffe und das Eiweiß in
Betracht, so sind es hier Zucker, Pflanzensäuren, Nährsalze, flüchtige Stoffe,
welche sie wertvoll machen; Mehle und Fett enthalten sie im unreifen, grünen
Zustande keine, Eiweiß nur in geringen Mengen.
Zu den Blattgemüsen gehören vornehmlich alle Kohlarten, Salate
und verschiedene Kräuter. Die Kohlarten zeichnen sich durch Bildung fester
„Köpfe“ aus, welche mit derben und nach innen immer feiner werdenden
Blättern die nach oben treibende Blüte umschließen. Zur Reifung dieser
Blüte läßt man es gar nicht kommen, sondern verwendet die zarten Blätter,
welche je nach Art der Pflanze von ganz verschiedenem Bau sind. So ist
das Weißkrautblatt am härtesten, das Kopfsalatblatt am zartesten. Je wasserreicher
sie sind, desto weniger eignen sie sich zur Behandlung mit Hitze.
Daher läßt sich das harte „Kraut“ konservieren durch Einlegen in Salzbrühe
und durch Abkochen, während der wasserreiche grüne Salat sich hauptsächlich
zum Genusse im frischen Zustande eignet. Auch „Rosen-“ und „Winterkohl“
haben eine gewisse Festigkeit und sind daher in der Küche gut verwendbar,
sowohl zum Kochen, Braten oder Einlegen.
Blumenkohl wird zu den feinsten Gemüsen gerechnet und ist sehr
schmackhaft, wenn er nicht mit Düngstoffen getrieben ist. Letztere erzeugen
sowohl eine Krankheit, durch kleine Käfer hervorgebracht, als auch einen
unangenehmen Nebengeschmack.
Alle Kohl= und Krautarten im engeren Sinn (Kopfsalat gehört nicht
dazu) enthalten ätherische Ole, welche unverdaulich sind und schwächlichen
Personen oft lästiges Aufstoßen oder Unbehagen verursachen. Man muß
daher sowohl in der Wahl der Gemüse wie in der Form ihrer Zubereitung
planmäßig vorgehen. Durch das Einsalzen verlieren Kraut und Kohlarten viel
von ihrer Härte, und die sich dabei entwickelnde Milchsäure macht sie sogar
leichter verdaulich. Ein übelstand dabei ist nur der übermäßige Gehalt an
Chlornatrium (Kochsalz), der für den Organismus keineswegs gleichgültig ist,
um so weniger, als dadurch die natürlichen Nährsalze ausgelangt werden, in
die unbrauchbare Salzlake übergehen und das Gemüse dann minderwertiger
machen. Erst durch Zusatz von Mehl und gFett werden Sauerkraut und
andere wieder wertvoller. Spinat und junge Brennessel geben eisenreiche
Gerichte, die sich großer Beliebtheit erfreuen und auch überall zu haben sind.