Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LXIV. Band. (64)

60  Rechtsprechung.

Worten  Guglielmo  Pearson  Milano  bestehe,  diese  letzteren  Worte  daher
einen  Theil  des  Klanglautes  bildeten  und  aus  ihrer  Verbindung  mit  dem
Worte  Creolin  nicht  losgelöst  werden  könnten,  und  weil  dasselbe  entsprechend
bei  der  Bezeichnung  Creolin  Wasmuth  der  Fall  sei.  Die  Ansicht  ist  aber
zu  beanstanden.  Wie  bei  der  Vergleichung  zweier  Bildzeichen  nicht  alle
einzelnen  Bestandtheile  derselben  als  entscheidend  in  Betracht  kommen,
sondern  nur  der  in  seiner  Individualität  und  in  seinem  charakteristischen
Gepräge  hervortretende  Gesammteindruck,  welchen  das  Zeichen  auf
den  Beschauer  macht  (Entsch.  des  RG.  Bd.  6  S.  75),  so  kommt  es  auch
bei  dem  aus  mehreren  Worten  bestehenden  Wortzeichen  nicht  auf  den  Klanglaut
  der  einzelnen  Worte  als  solcher,  sondern  auf  den  Gesammteindruck
an,  welchen  der  Klanglaut  des  ganzen  Zeichens  auf  den  Hörer  macht  und
zwar  wie  derselbe  charakteristisch,  individuell  bestimmbar  sich  im  Verkehr
  dem  Gedächtnisse  des  konsumirenden  Publikums  einprägt  und  dem
Zeichen  die  Bedentung  eines  Unterscheidungszeichens  giebt.  Hierbei
kann  der  Klanglaut  eines  einzigen  Wortes,  namentlich,  wenn  dasselbe  ein
Fantasiewort  ist,  so  sehr  hervortreten,  daß  dieser  das  eigentlich  unterscheidende
  in  dem  ganzen  Zeichen  ist  und  das  Schlagwort  bildet,  wogegen
die  Klanglaute  der  anderen  Worte  als  Zuthaten  zurücktreten.  Bestehen  letztere
lediglich  aus  der  Firma,  so  spricht  für  ihre  geringere  Unterscheidungskraft
noch  der  Umstand,  daß  nach  §  13  des  Zeichenschutzgesetzes  durch  die  Ein--tragung
  eines  Waarenzeichens  Niemand  gehindert  ist,  seine  Firma  auf
Waaren  anzubringen.  Auch  wenn  es  sich  nicht  um  die  graphische  Darstellung
  des  Zeichens  handelt,  kann  doch  der  kleinere  Druck  einzelner
Worte  für  die  Bildung  eines  Schlagwortes  von  Bedeutung  sein.  Nimmt
Jemand  aus  einem  dem  Klanglaute  nach  geschützten  Wortzeichen  eines
Anderen  das  nach  dem  vorausgeführten  charakteristische,  eigentlich  unterscheidende
  Wort  heraus  und  beuutzt  dasselbe  als  Waarenzeichen  gemäß
*  12  des  Zeichenschutzgesetzes,  so  greift  er  damit  störend  in  das  Zeichenrecht
  des  Anderen  ein,  und  die  Verwechselungsmöglichkeit  wird  dadurch
nicht  ausgeschlossen,  daß  er  diesem  Worte  noch  andere  Worte  beifügt,  es
sei  denn,  daß  ersteres  Wort  mit  den  gemachten  Zusätzen  in  eine  solche
Verbindung  gebracht  wäre,  daß  dem  Gesammteindrucke  nach  ein  ganz  neues
Wortzeichen  vorhanden  wäre,  in  welchem  das  dem  geschützten  Zeichen
entnommene  Schlagwort  seine  charakteristische  Unterscheidungseigenschaft
verloren  hätte  (Entsch.  des  RG.  Bd.  38  S.  104),  indem  dann  von  einer
Verwechselungsmöglichkeit  beider  Zeichen  keine  Rede  sein  könnte.

Auf  der  Verkennung  dieser,  sich  aus  dem  rechtlichen  Wesen  des  Wortzeichens
  ergebenden  Grundsätze  beruht  aber  das  angegriffene  Urtheil.
Dasselbe  war  daher  aufzuheben,  und  die  Sache  nach  §  528  CPO.  zur
anderweiten  Verhandlung  und  Entscheidung  an  das  Berufungsgericht  zu-