Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

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sämmtliche  Schnitte  gingen  auf,  die  Entwickelung  der  Pusteln  geschah  jedoch  langsam.
Die  nach  98  Stunden  abgenommene  Lymphe  war  sehr  gut,  der  Ertrag  wahrscheinlich
wegen  zu  frühzeitiger  Abnahme  aber  nur  gering.  Im  Uebrigen  gelang  es  in  Bremen
seit  8  Jahren  mit  konservirter  Thierlymphe  vom  vorhergehenden  September  genügende
Impfresultate  beim  Kalbe  zu  erzielen.  Klagen  über  vorzeitige  Verderbniß  des  Impfstoffes
  sind  im  Berichtsjahre  nicht  bekannt  geworden;  sämmtliche  Aerzte  waren  durch
den  Erfolg  sehr  befriedigt.

Wie  in  Hamburg  beobachtet  wurde,  schlug  die  Lumphe-Emulsion  in  der  Regel
nach  2=  bis  Zmonatlicher  Aufbewahrung  bei  den  Kindern  schwächer  an,  d.  h.  sie  rief
unvollzählige  und  weniger  kräftige  Pusteln  hervor  oder  führte  zu  Fehlimpfungen.
Versuchsweise  wurde  14  und  16  Monate  alte,  einst  ausgegeichnet  wirksame  Kälberlymphe
  auf  ein  Kalb  verimpft.  Auf  dem  Impffelde  der  ersteren  entstanden  nur  5  kümmerliche
  Pusteln,  die  ältere  Lymphe  ergab  gar  keinen  Erfolg.

In  Straßburg  i.  E.  hat  der  Vorstand  der  Anstalt  persönlich  günstige  Erfahrungen
  über  die  Haltbarkeit  der  Lymphe  gemacht.

Von  der  in  Metz  gewonnenen  Lymphe  wird  mitgetheilt,  daß  das  aus  kräftigen,
schön  entwickelten  Pusteln  erzielte  Präparat  sich  bei  der  Verdünnung  zu  Sirupkonsistenz,
  wie  es  in  die  Glastuben  gefüllt  wird,  bei  Kindern  und  Kälbern  Monate  lang
gleich  wirkkam  erwies,  wenn  nicht  wiederholte  Oeffnungen  der  Tube  an  mehreren
Tagen  stattfanden;  bei  mehr  verdünnter  Lomphe  —  in  Kapillaren  —  stellte  sich  nach
etwa  einem  Monat  schon  eine  Ungleichmäßigkeit,  namentlich  der  Schnitterfolge,  ein.

Erkrankungen  von  Menschen  in  Folge  der  Impfung  mit  Thierlymphe.

In  Königsberg  i.  Pr.  sind  mpfkrankheiten  mit  Ausnahme  der  alljährlich
bei  Wiederimpflingen  auftretenden  Reizungserscheinungen  weder  beobachtet  noch  berichtet
  worden.

Nach  Anwendung  der  in  Berlin  erzeugten  Lymphe  ist  nur  eine  erheblichere
Erkrankung  vorgekommen.  Diese  betrifft  einen  vom  Anstaltsvorsteher  geimpften  Erstimpfling,
  bei  welchem  sich  ein  nach  einigen  Rückfällen  geheiltes  Früherysipel  einstellte.
Die  anderen  Kinder,  bei  welchen  die  gleiche  Lumphe  zur  Verwendung  gelangte,  blieben
gesund.  —  Ein  Impfarzt  berichtete  über  ein  leichtes  Impferysipel  bei  einem  Wiederimpflinge,
  ein  anderer  beobachtete  starke  Entzündung  und  stürmischen  Verlauf,  ein
dritter  mehrfach  etwas  stärkere  Entzündungen.  In  10  einzelnen  gFällen  wurde  durch
die  Anstaltsärzte  starke  Röthung  und  Schwellung  in  der  Umgebung  der  Impfblattern
bei  Wiederimpflingen  festgestellt.

Aus  Stettin  wird  berichtet,  daß  stärkere  Neaktionsröthung  meist  bei  Wiederimpflingen
  beobachtet  worden  ist;  ein  Impfarzt  sah  bei  3  Impflingen  einen  masernähnlichen
  Ausschlag,  ein  anderer  einen  Fall  von  AImpfexanthem  ohne  nähere  Bezeichnung.
  Ferner  konfluirten  die  zu  dicht  gesetzten  Pusteln  eines  Erstimpflings  und  bildeten
  eine  gangränescirende  Geschwürsfläche,  die  unter  Salbenbehandlung  heilte.  Ein
anderes  Mal  hinterließen  die  einzelnen  Pocken  tiefere  Geschwürsflächen.

Wie  aus  Oppeln  mitgetheilt  worden  ist,  wurde  über  üble  Folgen  nach  Anwendung
  der  dort  erzengten  Thierlymphe  nicht  berichtet.

Der  in  Halle  a.  S.  gewonnene  Impfstoff  scheint  Impfkrankheiten  nicht  verursacht  zu
haben;  am  Orte  selbst  ist  dies  bestimmt  nicht  der  Fall  gewesen.  Entzündungserscheinungen
  bei  Wiederimpflingen  waren  mechanischen  Reizungen  zur  Last  zu  legen.

In  Hannover  wurden  Impfkrankheiten  von  den  Aerzten  der  Anstalt  nicht  beohachtet.
  Im  Uebrigen  berichtete  nur  ein  Impfarzt  über  ein  mit  Genesung  endendes