78 10. Bundesrat. Deutsch-Südwestafrika.
interesses, als Schädigung des Protestautismus, als Gang
nach Canossa, als Kuhhandel, und wie die Schlagworte alle
lauten, vorgeworfen wird, was seit Jahren alle Parteien
dieses hohen Hauses zusammen mit der Partei, welcher der
Herr Abgeordnete Dr. Sattler angehört, von der Regierung
gefordert haben.
Der Herr Abgeordnete Dr. Sattler hat auch angespielt auf Vorgänge
im Bundesrat und Verstimmungen unter den Bundesregierungen.
Daß ich über Vorgänge im Bundesrat hier nichts sagen
kann, brauche ich wohl nicht ausdrücklich hervorzuheben. Das sind
arcana imperii. Wenn aber der Herr Abgeordnete Dr. Sattler angedeutet
hat, es wären unter den Verbündeten Regierungen Gegensätze
hervorgetreten, es wäre überstimmt worden, es wäre vergewaltigt worden,
so erkläre ich, daß die vertrauensvollen Beziehungen zwischen
den Bundesregierungen in keiner Weise getrübt oder verletzt
worden sind. Daß fünfundzwanzig Regierungen nicht immer und
nicht in allen Fragen derselben Ansicht sein können, das ist doch ziemlich
natürlich. Aber weder haben Preußen und Bayern es irgend einer
anderen Regierung verargt, daß sie gegen die Beseitigung des 82
gestimmt hat, noch ist von irgend einer anderen Seite es Preußen und
Bayern verübelt worden, daß diese für die Beseitigung jener Bestimmung
ihr Votum abgegeben haben. Daß ein Teil des Bundesrats sich dem
anderen hat fügen müssen, ist schon früher vorgekommen. Ich erinnere
an die Errichtung des Reichsgerichts in Leipzig. Ich möchte aber noch
eins hinzufügen. Die vertrauensvollen Beziehungen unter den Bundesregierungen
sind doch zu wichtig für eine gedeihliche Entwicklung des
Reichs, als daß es nicht vermieden werden sollte, ohne Not Zweifel
zu äußern. Von der Notwendigkeit vertrauensvoller Beziehungen unter
den Bundesregierungen ist jedenfalls niemand mehr durchdrungen als
ich. Das habe ich durch mein tatsächliches Verhalten bewiesen, seitdem
ich an dieser Stelle stehe. Von meiner Seite ist niemals irgend etwas
geschehen, was eine Verletzung oder Vergewaltigung der Bundesstaaten
gewesen wäre. Ich muß solche Vorwürfe entschieden zurückweisen.
Endlich hat der Herr Abgeordnete Sattler auch die Vorgänge
in Südwestafrika berührt. Ich glaube, daß wir uns mit der Lage
der Dinge in Südwestafrika besser bei der Beratung des Kolonialetats
beschäftigen. Ich will mich aber schon heute und gern allem anschließen,
was der Herr Abgeordnete Sattler über diesen Punkt ausgeführt hat
und insbesondere über die Notwendigkeit, Südwestafrika zu halten.