Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Dreizehnter Jahrgang. 1872. (13)

430  Der  Feldzug  in  Italien  vom  22.  Mai  1915  bis  30.  Dez.  1917

berangeführte  Verstärkungen  strzten  sich  mit  Bojonett  und  Handgranate
ins  feindliche  Feuer.  Zwei  Wochen  wälzte  sich  die  Schlacht  in  Tag.  und
Nachtlämpfen  auf  dem  Kuk,  dem  Monte  Santo  und  dem  Sattel  von  Gargaro
bin  und  her,  dann  wich  Boroevic  dem  Feuer  der  Sabotino-Batterien,
das  furchtbar  in  seiner  Flanke  wühlte,  und  überließ  Capello  den  Kuk,  um
sich  auf  dem  breiten  Rücken  des  Monte  Santo  unter  den  Trümmern  des
zerschossenen  Gipfelklosters  in  neuen  Linien  festzusezen.  Der  Vorsprung
von  Dlava  war  verloren,  der  Italiener  stand  auf  dem  Kuk  in  der  Flanke
des  Monte  Santo  und  bedrohte  die  Bergstellungen  am  Südwestrand  des
Ternovaner  Waldes  jehe  von  zwei  Seiten.

Ache  Tage  nach  dem  Beginn  des  Sturmes  auf  Bainsizza  —  der  Kompf
war  noch  in  vollem  Gange  —  griff  Aosta  Constanjevica  und  die  Hermada
an.  Der  Angriff  erfolgte  zur  richtigen  Stunde.  Boroevic  hatte  Wurm
Reserven  entzogen,  um  den  Nordflügel  zu  sülcen.  Aostas  Angriffswellen
gewannen  am  Fajti  Hrb  Boden,  umspüléen  die  Trümmer  von  Constanjevico,
schäumten  vierzehnmal  an  den  Ruinenstellungen  der  Ho#nweds  empor  und
gipfelten  in  der  Erstürmung  Jamianos  und  der  Uberflutung  der  Hermada.

Als  die  Hermadastellung  wanlte  und  italienische  Sturmhaufen  vor
Medeazza  aufkauchten,  war  die  österreichische  Isonzofront  vom  Einsturz
bedroht.  Der  Verlust  des  Kuk  war  erträglich,  wenn  starke  Kräfte  auf  der
Höhe  von  Bate,  der  südlichen  Bergstufe  von  Bainsizza,  aufmarschierten
und  die  Besatzungen  des  Monte  Santo  und  des  Monte  San  Gabriele  dem
vom  Kuk  und  von  Salcano  drohenden  Doppelskurm  widerstanden.  Der  Fall
der  Hermada  war  nicht  zu  ertragen,  denn  er  lieferte  den  Südkarst  bis  zur
Linie  Nabresina—Comen  in  Cadornas  Hand,  riß  die  Südflanke  auf  und
gab  Aosta  den  Weg  nach  Triest  frei,  von  dem  er  nach  der  Eroberung  der
Hermada  nur  noch  12  Kilometer  entfernte  stand.  Um  solchem  Unheil  zu  begegnen,
  warfen  sich  Wurms  letzte  Reserven,  ein  paar  Kompagnien  des  11.  In.
fanterieregiments,  Bosniaken,  Artilleristen,  die  ihre  Geschüte  verloren
batten,  Berwundete  und  Versprengte  unter  der  Führung  des  Hauptmans
Wieronsky  bei  Medeazza  auf  den  Feind.  Sie  drängten  ihn  in  verzweifeltem
Ringen  von  der  Westslonke  der  Hermada  weg  und  retteten  die  Schlacht.
Als  Aosta  am  30.  Mai  noch  einmal  angriff  und  Medeazza  durch  einen  Uberfall
  zu  nehmen  suchte,  waren  die  Osterreicher  auf  der  Hut.  Der  Kampf  kam
bart  vor  den  Trümmern  zum  Stehen.  Vier  Tage  später  rafften  die  Osterreicher
  alles  zusammen,  was  eine  Waffe  führen  konnte,  und  stießen  die  Welschen
in  opfermutigem  Ansturm  von  den  Vorbergen  der  Hermada  gegen  San
Giovanni  zurück.

Cadornas  Kraft  war  erschöpft.

Die  Felsenburg  der  Hermada  tauchte  unversehrt  aus  dem  Wirbel  der
zehnten  Isonzoschlacht,  aber  Jamiano  und  der  Kuk  waren  verloren.  Die
sterreichische  Linie  lief  an  der  bestürmten  Karstfront  vom  Cap  Duino  über