Full text : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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Lügen  herbeischleppen,  und  dadurch  in  immer  weiteren  Kreisen  des
Volkes  den  Eindruck  hervorrufen,  welchen  vorhin  eine  einfältigvertrauende
  Seele  in  die  Worte  faßte:  „Etwas  muß  wohl  dran
wahr  sein.“  Das  will  sagen:  „Alles  kann  unsere  Sozialdemokratie
doch  nicht  aus  der  blauen  Luft  greifen.“

Da  irrst  Du  Dich  aber  gewaltig,  lieber  Freund.  Ich  wiederhole:
  Gar  nichts  ist  daran  wahr.  Und  die  blaue  Luft  ist  die
einzige  Bezugsquelle  für  die  Grundlehren,  den  Zukunftsstaat,
die  Vaterlandsliebe,  die  gesetzliche  Gesinnung,  die  Religion,  die
Arbeiterfreundlichkeit  unserer  Sozialdemokratie.“

Ich  behaupte  das  nicht  blos,  wie  unsere  Sozialdemokratie
ihrerseits  Alles  behauptet,  statt  jemals  das  Geringste  zu  beweisen;
sondern  ich  beweise  es  Schritt  für  Schritt,  Wort  für  Wort.  Die
Sammlung  dieser  Beweise  ist  die  Arbeit  von  vielen  Jahren:  eigenen
Antheils  an  der  parlamentarischen  Arbeit  des  Norddeutschen  Reichstags
  und  Deutschen  Zollparlaments  von  1867—1870;  meiner  Zugehörigkeit

  zum  Vorstand  des  nationalliberalen  Vereins  für  das
Königseich  Sachsen  von  1867  bis  jetzt;  meiner  Thätigkeit  als  Redakteur
  der  „Grenzboten“  von  1871  bis  Ende  1878;  meiner  steten
aufmerksamen  Verfolgung  des  Treibens  unserer  Sozialdemokratie
von  1863  bis  heute.  Auch  war  für  diese  Arbeit  nicht  unwichtig
die  persönliche  Beurtheilung  der  sozialistischen  Führer  von  ehedem
und  heute.  Dabei  konnte  ich  mich  aber  stützen  auf  die  zufällige
Thatsache,  daß  ich  einen  großen  Theil  von  ihnen  persönlich  kennen
lernte,  so  Lassalle,  von  Schweitzer,  Vahlteich,  Fritzsche,  Hasenclever,
Dammer,  Schraps,  Mende,  Försterling,  Liebnecht,  Bebel,  Bracke  u.  A.
Weiter  wurde  die  Vollständigkeit  meiner  Beweise  gefördert  durch
meinen  Trieb,  Alles  zu  sammeln,  was  die  soziale  Frage  anlangt;
und  dieser  Trieb  wurde  in  großartiger  Weise  unterstützt  durch  die
Schätze  der  herrlichen  Bibliotheken,  welche  die  Stadt  Leipzig  bietet,
einschließlich  der  Bibliothek  des  Reichsgerichts.  Die  letzten  Beiträge
zu  dieser  Sammlung  lieferte  endlich  mein  lebhafter  Antheil  an  den
Wahlkämpfen  von  1887  und  1890  und  einigen  Nachwahlen  des
Jahres  1891.

In  mancher  Redeschlacht  vor  Tausenden  von  Zuhörern,  oftmals
  umbrüllt  und  bedroht  von  Hunderten  „zielbewußter"  Genossen
der  deutschen  Sozialdemokratie,  in  Bochum,  in  der  sächsischen
Lausitz,  in  Sonneberg,  in  Crimmitschau,  in  Magdeburg,  in  Saalfeld,
  im  sächsischen  Erzgebirge  und  Vogtland,  in  Gelsenkirchen  und
in  den  Industriestädten  der  hinteren  sächsischen  Schweiz,  in  Wattenscheid
  und  in  Camburg,  in  den  großen  Heerden  der  Sozialdemokratie
des  Leipziger  Reichstagswahl-Landkreises,  und  in  Pößneck,  habe  ich
mir  schon  mit  einem  kleinen  Theile  der  nachstehend  mitgetheilten
Beweise  die  unwillige  aber  sichtlich  staunende  lautlose  Aufmerksam-