340 Siebzehntes Kapitel: Der Frankfurter Fürstentag.
bad trafen, drang in mich, nach Frankfurt zu gehn. Ich erwiderte:
„Wenn der König sich nicht anders entschließt, so werde ich hingehn
und dort seine Geschäfte machen, aber nicht als Minister nach
Berlin zurückkehren.“ Die Königin schien über diese Aussicht
beunruhigt und hörte auf, meine Auffassung beim Könige zu be-
kämpfen.
Wenn ich meinen Widerstand gegen das Streben des Königs
nach Frankfurt aufgegeben und ihn seinem Wunsche gemäß dorthin
begleitet hätte, um in dem Fürstencongreß die preußisch-östreichische
Rivalität in eine gemeinsame Bekämpfung der Revolution und des
Constitutionalismus zu verwandeln, so wäre Preußen äußerlich ge-
blieben, was es vorher war, hätte freilich unter dem östreichischen
Präsidium durch bundestägliche Beschlüsse die Möglichkeit gehabt,
seine Verfassung in analoger Weise revidiren zu lassen, wie das
mit der hanöverschen, der hessischen und der mecklenburgischen und
in Lippe, Hamburg, Luxemburg geschehn war, damit aber den
nationaldeutschen Weg geschlossen.
Es wurde mir nicht leicht, den König zum Fernbleiben von
Frankfurt zu bestimmen. Ich bemühte mich darum auf der Fahrt
von Wildbad nach Baden, wo wir im offnen kleinen Wagen,
wegen der Leute vor uns auf dem Bock, die deutsche Frage fran-
zösisch verhandelten. Ich glaubte den Herrn überzeugt zu haben,
als wir in Baden anlangten. Dort aber fanden wir den König
von Sachsen, der im Auftrage aller Fürsten die Einladung nach
Frankfurt erneuerte (19. August). Diesem Schachzug zu wider-
stehn, wurde meinem Herrn nicht leicht. Er wiederholte mehr-
mals die Erwägung: „30 regirende Herrn und ein König als
Courier!“ und er liebte und verehrte den König von Sachsen,
der unter den Fürsten für diese Mission auch persönlich der Be-
rufenste war. Erst um Mitternacht gelang es mir, die Unterschrift
des Königs zu erhalten für die Absage an den König von Sachsen.
Als ich den Herrn verließ, waren wir beide in Folge der nervösen
Spannung der Situation krankhaft erschöpft, und meine sofortige