316 Siebzehntes Kapitel: Der Frankfurter Fürstentag.
keinen Anspruch darauf machen. Durch diese Aeußerung, aus
welcher ich die Einwirkung der königlichen Verwandten und der
hofliberalen Einflüsse heraushörte, war ich natürlich dem Kaiser
gegenüber außer Gefecht gesetzt. Ich trat demnächst noch für das
Festhalten der Einigkeit beider deutschen Großmächte ein, und es
wurde eine dieser Richtung entsprechende kurze Redaction, in der
die Zukunft Schleswig-Holsteins unentschieden blieb, von Rechberg
und mir entworfen und von den beiden hohen Herrn genehmigt.
IV.
Der Dualismus würde, wie ich ihn mir dachte, dem jetzt be-
stehenden Verhältniß ähnlich gewesen sein, jedoch mit dem Unter-
schiede, daß Oestreich auf die Staaten, die jetzt mit Preußen das
Deutsche Reich bilden, bundesmäßigen Einfluß behalten haben würde.
Rechberg war für Verstärkung des Gewichts von Mitteleuropa durch
eine solche Verständigung der beiden Mächte gewonnen. Diese
Gestaltung würde, im Vergleich zur Vergangenheit und, wie die
Dinge damals lagen, immerhin ein Fortschritt zum Bessern ge-
wesen sein, aber Dauer nur versprochen haben, so lange das Ver-
trauen zu den beiderseits leitenden Personen ungestört blieb. Graf
Rechberg sagte mir bei meiner Abreise von Wien (26. August 1864),
daß seine Stellung angefochten sei; durch die Erörterungen des
Ministeriums und die Haltung des Kaisers zu demselben sei er in
die Lage gerathen, fürchten zu müssen, daß seine Collegen, namentlich
Schmerling, ihn über Bord schieben würden, wenn er nicht für die
Zollvereinsbestrebungen Oestreichs, die den Kaiser vorzugsweise
beschäftigten, wenigstens die Zusicherung beibringen könne, daß
wir auf Verhandlungen in bestimmter Frist eingehn wollten. Ich
hatte gegen ein solches pactum de contrahendo keine Bedenken,
weil ich überzeugt war, daß es mir keine über die Grenzen des
mir möglich Scheinenden hinaus gehenden Zugeständnisse würde