Metadata : Reden und Aufsätze aus dem Kriege.

—  303  —

politik  kaum  eines  anderen  Landes  verstanden,  das  Interesse  an
der  Entwicklung  unserer  auswärtigen  Handelsbeziehungen  zu  verbinden
  mil  dem  Interesse  an  der  Erhaltung  einer  nationalwirtschaftlichen
  Selbständigkeit.  Unser  Aussenhandel  hat  sich  —  die  Zahlen
sind  den  Herren  bekannt  —  in  teiner  Weise  entwickelt,  dass  wir  hart
nach  England  vor  dem  Kriege  das  erste  Land  in  der  Welt  in  bezug
auf  die  Ein-  und  Ausfuhr  gewesen  sind.  In  dem,  was  für  die  nationalwirtschaftliche
  Selbständigkeit  am  wichtigsten  ist,  in  der
Landwirtschaft,  ist  es  gelungen,  unsere  Erzeugung  innerhalb  der
eigenen  Grenzpfähle  im  Laufe  der  letzten  Jahrzehnte  in  noch
stärkerem  Masse  zu  steigern,  als  unsere  Bevölkerung  gewachsen
ist.  Damit  haben  wir  die  Grundlage  geschaffen  zu  dem  Durchhalten
  in  diesem  Kriege.  Die  Entwicklung  der  produktiven  Kräfte
des  Landes  ist  die  beste  Vorratswirtschaft.  Wenn  uns  heute  irgend
ein  erheblicher  Teil  unserer  landwirtschaftlichen  Produktion  fehlen
würde,  wenn  unsere  Landwirtschaft  nicht  in  dem  Masse  schon
in  Friedenszeit  entwickelt  worden  wäre,  wie  sie  entwickelt
worden  ist,  dann  hätten  wir  diesen  Krieg  längst  verloren.  Auch
in  diesem  Punkte  werden  wir  in  Zukunft  die  bisher  betretenen
Wege  weiter  gehen  müssen.  Wir  werden  auch  hier  manche  Vorteile
  aus  dem  Kriege  mit  hinübernehmen.  Die  Grundlagen  für
unsere  wirtschaftliche  Selbständigkeit  sind  ın  diesem  Kriege  nicht
geringer  geworden;  sie  sind  in  einem  Masse  verbreitet  worden,
wie  es  vor  dem  Kriege  wohl  kaum  jemand  für  möglich  gehalten
hätte.  Ich  habe  vorhin  schon  einen  wichtigen  Punkt  erwähnt,
die  Stickstoffproduktion.  Ich  habe  erwähnt,  dass  wir  bald  in
der  Lage  sein  werden,  im  eigenen  Lande  eine  Menge  an  Stickstoff
zu  produzieren,  wie  sie  früher  ganz  Chile  produziert  hat.  Stickstoff
ist  nicht  nur  von  unersetzbarem  Wert  für  die  Munitionsherstellung,
sondern  auch  in  hohem  Masse  für  die  Landwirtschaft.  Wir  waren
in  <ieser  Beziehung  bisher  für  viele  Millionen  vom  Auslande  abhängig.
  Wir  wären  durch  die  Sperrung  der  Zufuhr  in  die  emp-Indlichsten
  Verlegenheiten  gekommen,  wenn  es  nicht  möglich
gewesen  wäre,  während  des  Krieges  die  Stickstoffgewinnung  im
eigenen  Lande  auf  eine  ungeahnte  Höhe  zu  bringen.  Das  wird
die  Grundlage  unserer  wirtschaftlichen  Unabhängigkeit  für  die  Zukunft
  ganz  ausserordentlich  stärken.

Aehnliche  Entwicklungen  haben  wir  auf  anderen  Gebieten.