Volltext: Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

32 Erstes Buch. Die Erhebung zur Großmacht. 
fällen schließlich doch entgangen war, sich an Schlesien erholen. 
Daß das nur um den Preis einer Zertrümmerung Preußens 
möglich war, reizte sie nur noch mehr dazu an. Auch waren die 
Umstände nie so günstig gewesen, um die Herrschaft Oesterreichs 
in Deutschland für alle Zeit zu sichern. Mit England-Hannover 
auf der einen und Sachsen-Polen und Rußland auf der anderen 
Seite durfte es dann hoffen, Europa nach seinem Willen zu 
leiten. Bereits am 18. Mai 1745 wurde in Leipzig das Bünd- 
nis mit Sachsen geschlossen: auf Grund des Warschauer Trak- 
tats half dieses zur Eroberung von Schlesien und Glatz, um 
dafür Magdeburg, Züllichau, Krossen und Schwiebus zu er- 
halten. 
Friedrich war sich des Ernstes der Lage und der auf ihm 
lastenden Verantwortung voll bewußt. Er hatte Stunden der 
Entmutigung, und dann wieder hätte er am liebsten alle 
Schwierigkeiten durch einen kecken Gewaltstreich zerstreut. Doch 
rang er solche Anwandlungen glücklich nieder: alles wollte er 
an die Behauptung seiner Macht und Ehre setzen, kein Zu- 
geständnis machen, keine Demütigung auf sich nehmen. In 
scheinbar sorgloser Heiterkeit ging er dem Augenblick entgegen, 
wo vielleicht sein Staat ihn unter seinen Trümmern begrub. 
Ein mehr als stoischer, ein fatalistischer Zug offenbart sich da- 
mals zuerst in seinem Wesen. Er hatte mit sich abgeschlossen 
und nur noch zu wählen zwischen einem in heldenhaftem Kampf 
erstrittenen glücklichen Ausgang und dem Ende, hinter dem 
überhaupt nichts mehr lag. Das aber verfehlte auch auf die 
Verzagten und Kleinmütigen um ihn nicht des Eindrucks und 
übte auf den gemeinen Mann einen unwiderstehlichen Zauber 
aus. Seine heitere Zuversicht erfüllte die eben erneute Armee 
mit unerschütterlichem Glauben an ihn und verlieh ihm so eine 
unvergleichliche Antorität über sie. In ihr weckte er damals 
den preußischen Geist, der dann im Jubel über ihre Siege und 
in der Bewunderung ihres Ausharrens selbst in der höchsten 
Bedrängnis immer weitere Kreise seines Volkes ergriff. So 
wurden die Schwarzseher zu schanden, die nach dem Rückzug 
aus Böhmen gemeint hatten, das sei überhaupt kein Heer mehr, 
sondern nur eine locker gefügte Masse, die der erste neue Un-