Metadata : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

—  133  —

hatte  zu  harte  Opfer  gekostet.  Wenn  wir  uns  den  zusammen—
geschmolzenen  Kreis  der  Kameraden  ansahen  und  dabei  bedachten,
wie  bis  jetzt  die  Heere  der  Republik  nach  jedem  Schlage,  den
sie  empfangen,  und  durch  den  sie  auseinander  gesprengt  und
taktisch  vernichtet  waren,  sich  stets  und  bald  wieder  zusammen—
gefunden  hatten,  wie  Quecksilber,  das  man  auf  eine  Tischplatte
gießt,  so  daß  uns  unter  allen  Umständen  noch  harte  und  blutige
Kämpfe  bis  zur  völligen  Brechung  alles  Widerstandes  bevor—
standen,  so  lag,  obwohl  solches  Grübeln  sonst  nicht  dem  Sol—
daten  eigen  ist,  der  gewohnt  ist,  nur  bis  zur  nächsten  Stunde
vorwärts  zu  schauen,  wohl  jedem  der  Gedanke  nahe,  wann
wird  die  Stunde  der  Heimkehr  schlagen,  wirst  du  sie  überhaupt
wiedersehen  die  Heimat,  oder  wird  man  dich  auch  bald  in  das
blutige  Feld  betten?

Das  alte  Jahr  sollte  mir  und  Freund  v.  W.  noch  eine
Freude  bringen,  uns  beiden  wurde  am  30.  für  Auszeichnung
in  der  Schlacht  von  Beaune  la  Rolande  das  eiserne  Kreuz  ver—
liehen,  das  wir  mit  herzlicher  Freude  an  unsere  abgetragenen
Röcke  hefteten.  Beinahe  wäre  mir  ferner  noch  am  Schluß
des  Jahres  ein  vielleicht  wichtiger  Fang  gelungen  —  wenn  es
das  Geschick  nicht  anders  gewollt  hätte.  Ich  war  nämlich  am
Sylvester  Offizier  du  jour  und  revidierte  am  Vormittage  die
Wachen  und  Posten.  Gerade  war  ich  bei  dem  Posten  vor  dem
Ouartier  des  Divisionskommandeurs  angelangt,  als  ich  in  mäßiger
Höhe  einen  Ballon,  der  jedenfalls  von  Paris  abgelassen  war,
heranschweben  sah.  Es  juckte  mir  in  den  Fingern  einen  Schuß
darauf  zu  versuchen,  indessen  mitten  in  der  Stadt  und  vor  dem
Ouartier  des  Divisionskommandeurs,  das  konnte  eventuell  eine
gehörige  Nase  setzen.  In  dem  Augenblicke  trat  der  Adjutant
des  Generals,  Hauptmann  Wotke  vom  4östen  Regiment,  heraus
  und  rief  auch  sogleich  seinen  Chef  zu  dem  Schauspiel.
Derselbe  wollte  aber  von  meinem  Vorschlage,  Schnellfeuer  auf
den  Ballon  zu  eröffnen,  nichts  wissen,  schüttelte  sein  Haupt
und  sagte:  „Es  hilft  Ihnen  ja  doch  nichts,  erstens  alarmieren
Sie  mir  die  ganze  Stadt  und  zweitens,  wie  wollen  Sie  denn
überhaupt  die  Entfernung  taxieren“.  „Das  ist  leichter  als
man  denkt,  Exzellenz,  antwortete  ich,  sehen  Exzellenz  das  Ankertau,
  das  herabhängt?  Jawohl,  was  ist  damit?  Nach  der