Spolienklage bei Grunddiensthärbeiten. 45
dictum retinendae possessionis gemeint sei; denn
nur bei diesem kommt es auf „gegenwärtiges Inha-
ben“ an; deshalb sagt auch Baron Schmidt in
seinem Kommentar zur fraglichen Stelle in Nr. 2
„si quis probet, se in hujus vel illius servitutis
duasipossessione esse cum secientia et patientia
adversarli, recte contra illum, a duo in quasi-
Dossessione turbatu, inter dieto retinendae
bossessionis de jure communi agere
OSsit. Et duamvis Menoch: ibidem reme-
ium retinen dae possessionis solum-
modo tribuat servitutibus urbanis, non autem
rusticis. . . Sed hoc non attento, putamus,
Certum esse, vi hujus articuli in omnibus ser-
vitutibus praedialibus, sive urbanae sive ru-
sticae sint, possessoria judicia sublata esse,
duia articulus in fine generaliter loquitur „von
den Grunddienstbarkeiten“ ita ut speciem utramque
Servitütum urbanarum et rusticarum compre-
hendat etc.“ woraus sich ergibt, daß er diese Stelle
auch nur auf die interdictä retinendae posses-
sionis bezogen haben will.
Eine Abänderung dieser Bestimmung des älteren
bayerischen Landrechtes durch das jetzige Landrecht
ist aber, abgesehen davon, daß der Wortlaut beinahe
derselbe ist, schon deshalb nicht anzunehmen, weil
die Anmerkungen zum §. 9 lit. g schlechthin auf das
vorige bayerische Landrecht, und sogar auf die so eben
mitgetheilte Stelle in Baron Schmidt's Kommen-
tar, ohne auch nur im Entferntesten eine Abweichung
anzudeuten, verweisen, was aus dem Wortlaute der-
selben klar hervorgeht; sie sagen nämlich:
„das erste hingegen (das possessorium ordinarium)
„gestattet unser Kodex dem Kläger hierin nicht, jedoch
„mit der wohl merklichen Restriktion auf die bloßen
„Grunddienstbarkeiten, wie es auch das vorige bayerische
„Landrecht cit. ark. 6 etc. mit sich bringt.“