Full text: Blätter für Rechtsanwendung. XLV. Band. (45)

Entſcheidungen des Oberlandesgerihts Mün<en. 557 
damit die Anwendung des Strafgeſekßes ausſchließt, 
Iſt aber dies der Fall, ſo ſind bezüglich der Frage. 
der Verjährung nicht die Beſtimmungen des 6. 417 
des hinſichtlich des Verfahrens in Art, 23 des Ge- 
ſehes vom 8. Nov. 1875 in Bezug genommenen 
Wechſelſtempelſteuergeſeßes vom 140. Juni 1869, . 
ſondern die einſchlägigen Vorſchriften des Reichsſtraf: 
geſeßbuches maßgebend. 
Nun verjährt nach 6. 67 Abſ. 3 und 4 dle-. 
ſes Geſeybuches die Strafverfolgung wegen Ueber- 
tretungen in drei Monaten und beginut die Ver- 
jährung mit dem Tage, an welchem die Handlung 
begangen iſt, 
Dieſe Beſtimmung hat die Straffammer nur, 
darum nicht in Anwendung gebracht, weil ſie annahm,, 
es liege hier ein fortgeſeßtes Unterlaſſungsdelift vor 
und beginne de8halb die Verjährung der Strafver-, 
folgung im gegebenen Falle erſt mit der Erlöſchung. 
der Verpflichtung des Angeklagten zur Nachzahlung 
der in Frage ſtehenden Stempelgebühr, welche Er- 
löſchung nach 8. 32 des Finanzgeſege8 vom 28. De- 
zember 183141 erſt nach Ablauf von drei Jahren vom 
Verfalle dieſer "Gebühr an eintrete. Allein die hier 
fragliche Uebertretung hat nicht die Natur eines Un-, 
terlaſſung8delikt8s. Denn nach Art, 18 lit. d des 
Geſeße8 vom 8. November 1875 macht ſich der dae, 
ſelbſt vorgeſehenen Uebertretung derjenige ſchuldig,, 
welcher ſtempelpflichtige Looſe vor erfolgter Stempel? 
viſirung des Spielplanes ausbietet oder abſeßt.. 
Es tritt daher die Strafbarkeit nicht ſchon dann, 
wenn Jemand eine öffentliche Ausſpielung in Bayern 
vorbereitet und dabei die in Art. 416 des ebenerwähn-, 
ten Geſeßhes vorgeſchriebene Stempelviſirung zu ers 
wirken unterläßt, ſondern erſt dann ein, wenn derſelbe- 
vor erfolgter Viſirung die betreffenden Looſe außbietet 
oder abſebt. Hienach wird aber die Uebertretung,