Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Aum̃merx  &12

so  ist  auch  die  Straßenbahn  gezwungen,  die
Fahrpreise  zu  erhöhen.

Sverlsches  öberlun

Hrien,  2.  März.  Der  Besitzer  des  Moierbaueranwesens
  Gallus  Esterbauer  von  Willing
bei  Kienberg,  wurde  beim  Holzfahren  von  seinen
  Pferden  so  unglücklich  an  die  Wand  gedrückt,
  daß  der  60  jährige  Mann  eine  töbdliche
Schädelverletzung  erlitt.

Brannenburg,  3.  März.  Schweres  Leid
lastet  seit  kangem  auf  der  Familie  Eggersberger
und  ihrem  Bauernanwesen.  Der  alte  Vater,
der  jetzt  im  83.  Lebensjahre  steht,  ist  erblindet.
  Die  zwei  Söhne  stehen  seit  Kriegsbeginm
im  Felde.  Die  ältere  Tochter,  welche  die  zwei
Brüder  in  der  Arbeit  ersetzen  sollte,  holte  sich
infolge  Ueberanstrengung  ein  schmerzliches  Leiden
  und  mußte  sich  im  vorigen  Jahre  einer
Opkcattoen  unterz#ichen.  Die  ärztlichen  .
mühungen  waren  jedoch  vergeblich,  die  Tochter
ist  bald  darauf  gestorben.  Vor  wenigen  Tagen
  ist  jetzt  auch  die  alte  Mutter,  bie  Gattin
des  erblindeten  Mannes,  gestorben;  sie  hatte
r  zwei  Monaten  einen  Schlaganfall  erlitten
und  wurde  auf  einer  Seite  gelähmt.  Die  Bewirtschaflung
  des  ganzen  Anwesens  liegt  jetzt  nur
noch  in  Händen  einer  zweiten  Tochter.

Bas  Uibling,  2.  März.  Auf!  einer  Urlaubsreise
  nach  der  Heimat  ging  ein  Offiziersloffer,
  in  dem  sich  das  Patent  des  Rittmeisters
Grafen  Ferdinand  von  Arco-Zinneberg  des
1.  Schweren  Reiter-Regiments  befand,  verloren.
  Vor  mistbräuckcher  Benutzung  des  Palentes
  wird  gewarnt.

 

Snlube  im  Krie..
Die  städt.  M  igürten  in  Rosenheim.
Rosenheim,  3.  März.
In  anerlert#enemerter  Weise  hat  sich  die
Stadt#enein.  Nojenheim  entschlossen,  einen
größeren.  in  VBarz  llen  zu  100  und  200  Quadratm#ior

  #ecilten  Geländekompler  als
Mietgärten  verpachten.  Zweifelsohne  wird
biedurch  be  der  grosen,  volkswirtschaftlichen

Bedeutung,  die  in  diesen  Zeiten  dem  Gemüsebau
  zukommt,  einem  wirklichen  Bedürfnis  abgeholfen.
  Nicht  jeder  ist  in  der  glücklichen
Lage,  Grund  und  Boden  sein  Eigen  zu  nennen,
und  von  diesen  wird  diese  praktische  Gelegenheit
  jedenfalls  mit  Freuden  begrußt.  Solche
Kleingartenanlagen  wurden  in  vielen  bayeri--b
  .

chen  Städten  vor  und  während  des  Krieges
  eingericktet  und  durchwen  hat  man
damit  die  besten  Erfahrungen  gemacht.  In

Norddeutschland  hat  diese  Bewegung  schon  vor
Jahrzehnten  eingesetzt.  und  hat  inzwischen  einen
  gewaltigen  Umsang  angenommen.  Auch
in  anderen  Ländern  wie  Holland,  Belgien,
Frankreich  und  in  der  Schweiz  sind  fast  in  jeder
  Stadt  weitausgedehnte,  parzellierte  Familiengartenanlagen
  auf  städtischem  Grund  zu
finden,  die  durchweg  in  bester  Kultur  stehen.

Es  steht  einwandfrei  fest,  daß  die  Kleingärtnerei
  mit  dozu  berufen  ist,  die  Kriegsnösen
  zu  lindern  und  der  Lebensmittellnappbeit
  zu  steuern;  und  in  dieser  Erkenntnis  hat
unsere  Staatsregierung  schon  im  ersten  Kriegswinter
  den  bayer.  Städteverwaltungen  empfohlen,
  nach  Kräften  die  Errichtung  von  Kleingärten
  auf  gemeindeeigenen  Gründen  in  die
Wege  zu  leiten.

Die  Stadtgemeinde  Rosenheim  hat  zur  Anlage
  von  Kleingärten  Flächen  zur  Verfügung
gestellt,  die  bisher  als  Wiesen  Verwendung
  fanden.  Diese  Wiesen  sollen  auf  Kosten
der  Stadt  umgepflügt  werden;  so  anerkennenswert
  dies  einerseits  ist,  so  wäre  doch  dem
Umgraben  der  einzelnen  Parzellen,  besonders
auch  in  Anbetracht  der  fur  diese  Arbeit  schon
vorgeschrittenen  Jahreszeit,  der  Vorzug  zu
geben,  denn  nur  durch  Umgraben  mit  dem
Spaten  ist  es  möglich,  die  Grasnarbe  tief
genug  (25—40  Ztm.  ties)  unterzubringen,  u.
so  deren  Verwesung  beschleunigen.  Diese
Arbeit  ist  baldigst  auszuführen,  womöglich  ist
lurzer,  verrotteter  Mst  mit  unlerzugraben.
Bei  dem  Umgraben  des  Landes  soll  es  ja
nicht  nahß  sein,  denn  sonst  bilden  lich  Uumbvige
  Ersschclter  die  nur  schwer  wieder  verlleinert
  werden  können.  Ist  der  Garten  ganz
gegraben,  so  wäre  ein  Nebegeßen.  mit  Jauche
sehr  zu  empfehlen.  Um  dem  Boden  alie  für
ein  gedeihliches  Entwickeln  der  Gemüse  notwendigen
  Pflanz'mnährstoffe  zuzuführen,  möchte
ich  noch  eine  Gabe  von  Wrsininen  Düngemitteln,
  eine  Wolldüngung,  dringend  anraten.  Man
streue  hiezu  für  100  Quadratmeter  Gartenland
ca.  2  Zeniner  Kalkstaub  oder  das  doppelte  feinen
  Bauschutt,  ferner  ca  10—14  Pfund  40.
proz.  Kalisalz  oder  25—30  Pfund  Koinit,  in
Emmancrlong  E  etteren  en  ussen
alze  tut  Hotzasche  (ev.  mit  asche  gemischt,
aber  “  leine  ehlenolcheh  dieselben
guten  Dienste.  Als  Phosphorsäuredüngung  ge-.Ermen
  nsc.  iun.  r“r  .h

ngemittel  sind  #  b
staub  in  c  nem  Dongeschäft  ünstl.  Düngemittel
  bei  den  N.  seeisenwereinen  und  bei  Huber,

omaemchl.  Diese

Eier  in  Nosenhetn).  Der  Preis  für  sämt.
'  für  100  Quadratmet  i

en  ager  intl.  Kallstaub  stente  drtt
utdünger  inkl.  aub,  .
4M  set  zudem  noch  gute  bellt  Lh  ufn

und  sie  auf  sein  Land  bringt,  darf  ün  froher
Zuorrsicht  erwarten,  vorläusig  alles  getan  zu
hoben,  was  seine  Pfleglinge  zu  ihrem  guten
Gedeihen  nötig  haben.  Auch  Torfmülle,  mit
Juche  getränft,  ist  ein  schätzbares  Bodenlok.
kerungsmittel.

In  späteren  Frühjahr  werden  die  Regenwümer
  durch  den  verwesenden  Rasen,  der  ihnen
  reichliche  Nahrung  bietet,  angelockt,  sich
in  unangenehmer  Weise  bemerldar  machen.
NRegenwürmer  in  mäßiger  Anzahl  sind  infolge
Duchlüftung  des  Bodeno  nühlich;  treten  sie
jedoch  stark  auf,  so  wird  ihre  Wühlarbeit  den
jungen  Pflanzen  schädlich.  Man  streut  dann
bei  eintretendem  Regenwetter  auf  100  Qua
drometer  Garte  fa  a.  6  Wund  Dungsalz
  welches  in  (##.  .  ann  sen  ist.
Ein  Mehr  an  Tung.az  wird  #en  „#nßn
nict  schaden,  hemmt  aber  die  Taligiei.  #er
wertwollen,  den  Boden  zerseuenden  Organis-Hier

  sind  in  kurzen  Zügen  die  Vorarbeiten
geshildert,  die  zu  einem  erfolgreichen  Gartenbelriele
  nötig  sind.  Benütze  Jedermann  die  gebelene,
  günstige  Gelegenheit  und  ziehe  sich  den
Gemüsebedarf  für  den  eigenen  Haushalt  selbst.
heran,  und  es  wird  sicherlich,  was  der  rauhen
Kriegszeit  eisernes  Muß  fertig  brachte,  —  die
Beoirtschaftung  der  heimischen  Scholle.  —  auch
in  hoffentlich  nicht  mehr  ferner  Friedenszeit  dann
manchem  unentbehrlich  sein.  Führe  sich  jeder
vor  Augen,  daß  unsere  Vorräte,  von  jeder  Zusutr
  abgesc  nitlen,  ven  Tag  zu  Tag  knapper
welreit,  und  Hebung  der  Esgenproduktion  des
Landes  dringend  not  #ut.  Es  geschieht  ja  viel
auf  diesem  Gebiete,  aber  immer  nock  nicht  genug.
Belätigung  im  Garten  und  Umgang  mit  der
Nalur  erhält  frisch  und  gesund  und  gibt  ein
stehes,  zufriedenes  Volk.  Groß:  Schäre  ruhen
noch  in  unserer  Heimaterde,  sie  zu  heben  und
zu  nützen,  ist  heilige,  vaterländische  fsli.)  1.

Westermeier.  Bezirkegärtnec.

 

KCotstnachc#t
Rosenheim,  3.  März.
Auf  dem  Felde  der  Ehre  gesallen:
Lorenz  Maierbadher,  Oekonom  von  Graben  bei
Ramerberg,  Soldat  in  einem  Inf.-Reg.
uszeichnungen  im  Felde.  Der  Resewist
  Marx  Weiß  in  einem  Nes.-Inf.=  Reg.
wurde  mit  dem  Militärverdienstkreuz  3.  Kl.
mi!  Schwertern  ausgezeichnet.  Seine  beiden
Buüder,  der  Pionlergefreite  Johann  Weiß  und
der  Artillerist  Andreas  Weiß,  die  beide  verwundet
  wurden,  wurden  fruher  schon  mit  dem
Eilaren  Kreuz  2.  Kl.  ausgezeichnet.  Der
vielte  Bruder,  Gefreiter  Joseph  Weif,  ist  zur
Beförderung  zum  Unteroffizier  vorgeschlagen.
Von  den  vier  Brüdern  sind  drei  zu  Rriog
beginn  ausmarschiert,  der  vierte  folgte  Ende
1914  nach  Sie  sind  Söhne  des  Wagnermeisters
Mihael  Weiß  in  Rosenheim,  den  wir  zu  seinen
viet  tapferen  Mitkämpfern  bestens  beglückwünschen.
  Der  Oberjäger  Joseph  Kaiser,  Dienstkuecht
  in  Frasdorf,  wurde  mit  dem  Mililärveldienstkreuz
  3.  Kl.  mit  der  Krone  und  mit
Schwertern  ausgezeichnet;  das  Eiserne  Kreug  hat
er  früher  schon  erhalten.  Er  steht  seit  30  Monalen
  im  Felde.  "r  ·
Mit  dem  König-Ludwig-Kreuz
wurden  ausgczeichnet:  Veterinär  Norbert  Hilleebrand
  d.  R.  (Wasserburg),  Feldwebel  d.  N.
Georg  Hötzendorfer  beim  Umladekommando  Rosenheim
  Unterofsizier  d.  L.  Johann  Mader  des
Vgirlelommandos  Wasserburg,  Unterossfizier
d.  L.  Martin  Aigner  beim  Umladekommando
Nosenheim,  die  Gefreiten  Albert  Senft,  Ludwig
  Knott  und  Joseph  Rummer  des  Bezirkskommandos
  Nosenheim.  Gefreiter  d.  Land--sturms
  Fred  Dunn  des  Garnisonsbataillons  Nr.
1,  die  Landwehrmänner  Peter  Fuchs  und  Franz
Jeseph  Weber  des  Garnisonsbataillons  Nr.  1.
Landsturmmann  Joseph  Rieth  des  Garn.-Batl.
N.  1,  Gastwict  Martin  Pfaffenberger  in  Brannenburg,
  Assistenzarzt  Dr.  Joseph  Schapfl  d.
N.  (Wasserburg),  Bürgermeister  Lorenz  Auer
in  Burghausen,  Maschinenfabrikant  Martin
Beilhack  in  Rosenheim,  Stadtpfarrmeßner  Franz
Baliner  in  Traunstein,  Schulpedell  Josef  Götzendorser
  in  Rosenheim,  Geschäftsführer  Hans
Högner  in  Rosenheim,  Studienrat  u.  Realschulreltor
  Anton  Jakob  im  Rosenheim  Dienstmann
Korl  Kiesmüller  in  Rosenheim,  Oekonomieverw.
A#chael  Obermaier  in  Degerndorf,  m
lanzlist  Joseph  Schmid  in  Rosenheim,  Theatedirektor
  Laver  Terofal  in  Schliersee,  Gemeinbedienersgattin
  Aloisia  Arendt  in  Höhenrain.
Bürgermeistersgattin  Emma  Auer  in  Sachrang.
Fnanzratsgattin  Anastasia  Bedall  in  Miesbach.
  Oekonomsgattin  Elise  Bleien  in  Kiefersseden,
  Bürgermeistersgattin  Marie  Bramböck
in  irchen,  Mollereibesitzerstochter  Paula
Brandl  in  Holzolling,  Majorsgattin  Elisabeth
ler  v.  Isarborn  in  Aschau.  beitersgattin

 

 

Ar
DHaidacher  in  Kiefersfelden,  Oberregierungs
talsgattin  Helene  Koch  in  Rosenheim,  Schwese

 

Japona  (Thercie  Künzner)  d.  barmh.  Schnesiern
in  Holzkirchen,  Gastwirtstochter  Maria  Neumaier
  in  Sachrang,  Gutsbesitzersgattin  Erna
Pabst  in  Vad  Aibling,  Leutnantswitwe  Johanna
  Rittmann  in  Oberaudorf,  Schwester  Digna
(Walburga  Schachenbauer)  der  birmh.  Schwestern
  in  Holzkir
Emilie  Tregler  in  Bad  Aibling,  Kaufmannsgattin
  Ursula  Ulrich  in  Bad  Aibling,  Schwester
  Justilla  (Juliana  Wagner)  der  barmh.
Schwestern  in  Holzkirchen,  Stadtpfarrersgattin
Anna  Weber  in  Rosenheim,  Buchhalterstochter
Rosa  Wippenbeck  in  Rosenheim,  Krankenkassengeschäfteführer
  Ponkra;z  Raab  in  Miesbach.
Gendarmeriewachtmeister  Johann  Sauerer  in
Fischbachau.

Bahndienst.  Ernannt  wurden  in  ctatsmäßiger
  Eigensch  ast  zum  Lekomotivheizer  der
Gehilse  Alois  Niederhamer  in  Mühldorf,  zum
Vorarbefter  un  Vahnunterhallungsdienst  der
Gehilfe  Joseph  Baldauf  der  Bm  II  Traunsiein,
  zum  Wage,wärtergehilfen  der  Gehilfe
Franz  Röslmaser  in  Rosenheim.

Einführung  von  Käskarten  in  NRosenheim.
  Die  uacksenden  Schwierigkeiten
in  der  Lebensmittelversorgung  haben  die  Bayer.
Landesserttstelke  veranlaßt,  den  Bezug  von
Käs  im  srelen  Handel  zu  sperren,  um  eine  gleichmäßige
  Belieferung  des  ganzen  Landes  und  eine
gleichmäßige  Verteilung  auf  die  einzelnen  Bezille
  nach  der  Bevölkerungszahl  zu  ermöglichen.
  Jur  Versorgung  der  städtischen  Bevöllerung
  in  Rosenheim  find  von  der  Zentralstelle
fur  den  M  nat  127  Ztr.  Käs  oder  gegen  100
Gramm  pro  Kopf  und  Woche  eingewiesen.
Mehr  darf  nicht  nach  Rosenheim  geliefert  werden
und  mehr  Käs  darf  nicht  verteilt  werden,  ganz
abgesehen  daven,  daß  die  Lieferungen  infolge
der  bestehenden  Produktions=  und  Transportschwierigkeiten
  vielfach  nur  unregelmäßig  eintreffen.
  Es  besteht  darum  nur  dann  die  Wahrscheinlichleit,
  daß  die  Bevölkerung  auch  wirkiich
die  auf  den  einzelnen  treffenden  100  Gramm
erban,  wenn  verhütet  wird.  daß  einzelne  mehr
ais  1060  Glamm  auf  den  Kopf  der  Familie  be-Tehen
  können.  Dazu  ist  die  Käskarte  notwendig.
  Ter  Aestarte  allein  verhindert,  daß  jemand
  sich  dunh  Elnlauf  in  mehreren  Geschaͤf—
ten  über  Gebühr  eindeckt,  und  durch  sie  allein
wird  erreicht,  daß;  beim  Verkauf  auch  die  Größe
der  Familie  berücksichtigt  werden  kann.  Aus
diesen  Erwägungen  hat  sich  der  Stadtmagistrat
im  Interesse  der  Cinwohnerschaft  und  namentlich
  der  größeren,  ärmeren  Fumilien  entschlossen,
  die  Kaskarte  einzuführen.  Der  Käs  ist
in  den  bisherigen  Geschäften  erhältlich.  Das
Publikum  wird  aber  ersucht.  mit  den  Geschäften
nicht  zu  wechseln,  da  die  einzelnen  Geschäfte  in
Zukunft  nach  Maßgale  der  eingelieserten  Marken
  Käs  zugewiesen  erhalten,  sodaß  die  Wahrscheinlichkeit
  besteht,  daß  der  Einzelne  am  sichersten
  seinen  Käs  da  erhält,  wo  er  in  der  letzten
  Woche  eingekauft  hal.  Die  Einführung
der  Käskarte  wird  für  manche  b.sher  besser  Versorgte
  eine  Einschränkung  zur  Folge  haben;  aber
für  viele,  namentlich  für  die  minderbemittellen
in  Arbeit  stehenden  Volksklassen  ist  sie  ein  Mittel,
  tatsächlich  auch  Käs  zu  erhalten.  Ohne  Käslarte,
  besteht  nach  der  bisherigen  Erfahrung  die
Gefahr,  daß  der  Käsebezug  ein  Monopol  Bevorzugter
  wird,  namentlich  solcher,  welche  die
Anlagen  und  die  Zeit  haben,  die  eintreffenden
Vorräte  rasch  und  sicher  auszukundschaften.

Eröffnung  der  Altbekleidungsstelke.
  Mit  dem  1.  März  1917  ist  die  Annahmestelle
  des  Kommunalverbandes  Rosenheim-Stadt
  für  getragene  Kleidungs=  und  Wäschestücke
  sowie  getragene  Schuhmaren  in  Betrieb
  genommen  worden.  Es  sei  an  dieser  Sielle
  nochmals  darauf  hingewiesen,  daß  der  Anspruch
  der  Bevolkerung,  mit  angemesener  und
billiger  Kleidung  versorgt  zu  werden,  im  gegenwärtigen
  Zeitpunkle,  unv  cs  am  Rohmaterial
  zur  Stofferzeugung  und  Lederherstellung
empfindlich  mangelt,  einigermaßen  nur  dann
erfüllt  werden  k#un,  wenn  wirk.  ch  jedes  entbehrliche
  Kleidunge  und  Wäschestück  und  alles  getragene
  Schuhmerk  fur  diese  Zwecle  wieder  nutzbar
  gemad'#t  wird.  Aus  Munchen  hören  wir,
daß  der  dortigen  Altbekleidungsstelle  vielfach
noch  recht  gute  Kleidungsflücke  und  wohlerhaltenes
  Schuhwerk  unentgeltlich  überlassen  wurden
  und  daß  die  Zuwendungen  von  Personen,
die  sich  ihre  abgelegten  Kleider  und  Schuhe  nach
dem  tatfäcklidhen  Werte  bezahlen  lassen,  noch
reicher  w#ren.  Möge  das  gute  Besspiel  der
Münckener  Bevölkerung  recht  viele  Nachahmer
in  hesiger  Stadt  finden,  damit  der  Kommunalverband
  Rosenhem  seiner  schwierigen  Auf#abe
gerecht  zu  werden  —-.  Mit  der  Abholung
von  Alltwaren  in  den  Wohnungen  der  Veräußerer
  ist  die  Trödlserin  Frau.  Helene  Rottner,
  Kufsteinerstraß:  8  dahier,  beauftragt.

Der  vaterländische  Hilfsdießmst  u.
die  Landwirtschaft.  Bei  der  in  kurzer
Zeit  reginnenden  Feldbestellung  braucht  das
Vaterland  Personen  die  zur  Arbeitsleistung  in
landwirtschaftlicken  Betrieben  gewillt  und  geeignet
  sind.  Es  ergeht  deshalb  der  Aufruf  an
sämtliche  Hilssdienstpflidktige,  aber  auch  an  die
nicht  hilfsdienstpflichtigen  Personen  sich  zu  landwirtschaftlichen
  Bestätigung  freiwillig  zu  melchen.

  Schloßgutsbesitzersgattin.

 

Sonntag,  4.  März  1912

den,  und  insbesondere  an  die  gesamte  Landbevölkerung,
  sich  unter  lei#un  Umnänden  der  Bebauung
  von  Grund  und  Noden  durch  Abman
derung  in  die  Stadt  zu  en  2chen.  Im  ütrigen
wird  auf  die  Veröffentlichung  des  K.  Kriegsministeriums
  in  den  Tagesblattern  und  ouf  die
gleichlautenden  offentlichen  Anschlägen  hingewiesen.


Erkrankung.,  Der  re.  Oberlolomotiofühter
  August  Bätz  in  Rosenheim  in  leider  schwer  erkrankt.
  Er  wurde  vor  einigen  Tagen  in  die
Heil-  und  Aflegeanstall  Gabersee  überführt.

Fleischdiebstahl.  Vom  26.  auf  27.  Februar
  wurden  aus  dem  Keller  einer  Wirtschaft
dahier  eine  Rindszunge,  zwei  Schweinsschlegel
und  6  Pfund  Rindfleisch  im  Gesamtwerte  von
70  Mk.  entwendet.  Der  Dieb  ist  nicht  ermittelt.

Ueberfahren.  Am  1.  März  wurde  eine
Bäuerin  von  Kirchdorf  a.  J.  am  Ludwigsplatz
dahier  von  einem  Fuhrwerk  überfahren.  Sie
wurde  durch  ihre  Angehorigen  nach  Hause  verbracht.


 

Ein  Meter  Neuschnee  liegt  auf  dem
Brünnstein.  Also  lautet  eine  Meldung,  die  uns
leute  das  Brünnsteinhaus  ubermittelte.  Angefugt
  war  noch,  daß  die  Sktbahn  vorzuglich  ist,
daß  aber  die  Rodelbahn  nicht  mehr  voll  ausgeschaufelt
  werden  konnte.  Die  Sliläufer  werden
  also  gut  auf  ihre  Rechnung  kommen.

·  *  r—i

Standmusik  am  Mar-Joseph-  Platß.
Sonntag,  den  4.  März  1917,
vormitllag?  11—-  12  Uhr.
1.  „Major  Ortenan“,  Marsch  von  Sedelmayer.
2.  Ouverture  „Der  Calif  von  Bagdad“,  von
Brieldien.
3.  Paraphrase  uber  „Gruß:  an  die  Heimat“
von  Nehl.
4.  Fackeltanz  Nr.  1  von  Meyerbeer.
5.  Unsere  Marine.  Marsck  von  Thiele.
□—W  r“  r—i
Ortosammelstelle  für  Liebesgab  en
vom  Roten  Kreuz.  4  -
Durch  Celdspenden,  die  in  letzter  Zeit  bei  uns
eingelaufen  sind,  ist  es  uns  möglich  mit  den
Vorbereitungen  der  Osterpakete  ins  Feld  zu  beginnen.
  Wenn  auch  die  Zahl  und  Art  der  Liebesgaben
  jetzt  sehr  beschränkt  ist,  so  macht  Ler  heimatliche
  Gruß  in  Form  eines  Rosenheimer  Pakkerls
  doch  den  Soldaten  Freude  als  Zeichen  unseres
  Gedenkens  wenn  er  solches  im  Felde  oder
im  Lazareit  erhält.  "
Der  Inhalt  dieser  Säccchen  besteht  in  Rauchteug
  (Tabak,  Jigarren  oder  Zigaretten),  1  Buch,
Nähjeug.  Handtuch,  aus  dem  Rest  der  Weißen
Wochke  genäht,  Burfte,  Briefpapier,  Bleistift
und  Postkarten,  eiwas  Dörrobit  oder  Spitzwe-Kerich,
  1  Packerl  Sal.,  einer  Ueberraschung,  die
eine  Pfeife,  Mundharmonika.  Brieftasche,  ein
Spiel  oder  1  Pnar  Hosenträger  sein  kann.  Wir
bitten  um  Liebesgaben  dieser  Art  oder  Geldbeträge,
  damit  wir  möglichst  viel  derartige  Osterpakete
  von  Rosenheim  wieder  abschicken  können.
Das  Ceschöftszimmer  ist  seit  einigen  Tagen
von  Nr.  16  auf  Nr.  15  verlegt:  Taglich  geöff.
net  von  3  5  Uhr.  '--

  s  1

Anmeine  Berge.  I

Ihr  Berge  steht  so  friedlich  in  der  Runde.
Wißt  ihr  denn  nichts  vom  großen  Völkerringen“
i  Weltenbrand  und  tausend  blut'gen
Dingen?
Von  uns'res  Volkes  liefer  Herzenswunde?
Wißt  nichts  ihr  von  des  Kampfes  wildem

Qus  uns  durchtobt  seit  jenen  Julitagen?
Von  all  den  Opfern,  die  wir  mussen  tragen
Gür  unf  re  Teuren,  die  ins  Feld  gezogen?

Und  wißt  ihr  nichts  auch  von  den  vielen  Tränen.
Die  wir  um  die  Gefall'nen  schon  vergossen?
Nichts  von  dem  jungen  Blut,  das  schon  ,
geslossen?
Nichts  von  dem  bangen  Hoffen,  grosten  Sehnen?
Ihr  bleibet  umm.  Doch  ist's,  als  spräche
rauer
Aus  eurer  Felsen  Antlitz.  Hoch  am  Gipfel
Fegt  jäh  der  Wind  durch  die  verschneiten
4  Wipfel,
Bleich  blicket  ihr  ins  Tal  im  Todesschaucr.
Fürwahr,  so  habe  ich  euch  nie  gesehen!
Nie  lag  so  sehr  auf  euch  der  Schwermut
Schatten
Und  das  Erinnern  an  die,  die  eins  shatten
Mit  trunk  nem  Blick  geschaut  von  euren  Höhen!

Ich  weiß  euch  quält  die  Sehnsucht  nach  den
Freunden,
Die  euch  geweihl  so  manche  frohe  Stunde.
Doch  sie  sind  sern;  in  treuem,  festen  Bunde
Steh'n  sie  im  Kampf  gen  eine  Welt  von  Feinden.
Ihr  Berge,  seid  getnost  und  seid  zufrieden,
Wem  auch  gar  mancher  euch  wird  nimmer

sehen
Es  DOmmt  der  Tag,  da  wir  aufuren  Höhen
Einst  werden  feiern  deutschen  Sieg  und  Frieden!

Kufstein.  August  Sieghardt.