Contents : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

aus  Kriegsfreiwilligen  bestanden,  aus  jenen  vorwiegend  jungen  Mannern,
welche  bel  Krlegsbeglnn  aus  relner  Vaterlandsbegelsterung  zu  den  Fahnen  geeilt
  waren.  Aun  wurden  sie  nach  einer  Ausblldung  oon  kaum  mehr  ale  zwel
Monaten  In  improolflerten,  nicht  voll  kriegsmäßig  ausgerüsteten,  mit  Artlllerie
nur  mäßig  versehenen  Verbänden  und  unter  Führung  teilwelse  überalterter,
teilwelse  schon  im  Frleden  ale  nicht  voll  kriegsverwendungsfählg  zurückgestellter
Offizlere  in  die  Schlacht  geworfen.  Aur  die  dringende  Not  des  Vaterlandes
kann  als  Entschuldigung  für  dlesen  ungebeuerlichen  Schritt  dienen.  Die  Lücke
von  Warneton  ble  zum  Meere  zu  stopfen,  standen  kelne  anderen  Kräfte  mehr
zur  Verfügung:  unsere  Zungmannschaft  hat  sie  buchstäblich  mit  ihren  Leibern
geschlossen  —  mit  denen  der  Koten  und  mlt  denen  der  Überlebenden.

Schon  hatte  der  Herbst  dle  flandrische  Tiefebene  mit  ihren  unzähligen
Wasserläufen  in  einen  Morast  gewandelt.  Die  Engländer,  durch  den  ersten  großen
Nachschub  aus  England  und  Indien,  wle  auch  durch  französische  Truppentelle
verstärkt,  während  hinter  ihrem  Rücken  die  8.  und  10.  französische  Armee  aufmarschlerten,
  erwarteten  in  stark  befestigten  Stellungen  den  Ansturm  der  jungen
deutschen  Diolsionen.  Am  20.  Oktober  begann  das  schreckliche  Ringen  auf  einer
Front  von  100  Kilometern  Breite.  Hler  prallte  jugendlicher  Tatensturm,  vorwärts
  gejagt  vom  Ubereifer  unerfahrener  und  oon  oben  her  zu  rücksichtelosem
Draufgehen  angetriebener  Führer,  wider  die  kaltblütige  Entschlossenheit  englischer
  Söldner,  die  genau  wußten,  daß  sie  an  einer  Stelle  standen,  deren  Bebauptung
  für  die  Heimat  von  kriegeentscheldender  Bedeutung  war.  Der  glelche
Wahn  der  Ubereilung,  der  in  allen  Westschlachten  des  Krlegebeglne  unzähllge
Opfer  edelsten  deutschen  Blutes  gefordert  hatte,  trieb  auch  hlet  unsere  Jugendblüte
  im  buchstäblichen  Sinne  zur  Schlachtbank.

Hler  stürmten  die  berähmten  Kompagnien  unserer  Zungmannen,  das
„Deutschland  über  alles“  auf  den  Lippen,  HDirxmupden  und  elne  weltere  Reihe
stark  verschanzter  belgischer  Ortschaften  und  arbeiteten  sich  bis  an  die  Ver  beran,
unerhörten  Opfern  zum  Trotz.  Da  waälzte  sich  ihnen  eln  unerwartetes  Hinder--nis
  entgegen.  Während  aus  den  feindlichen  Stellungen  Maschinengewehr--saloen
  und  Artillerichagel  über  dle  Knaben  hinwegdrausten,  begann  das  Grundwasser,
  das  den  Stürmern  ohnehin  schon  vlelfach  ble  an  dle  Knie  gestanden,
zu  stelgen  und  zu  steigen..  .  Wer  verwundet  wurde,  versank  rettungelos  in
einer  beständig  schwellenden  Flut.  Die  felndllche  Heereeoleltung  hatte,  die
immer  wachsende  Bedrängnle  von  ihrem  lnken  Flügel  abzuwehren,  die  Dämme
durchbrochen,  welche  das  Nlederungegetlet  der  Dser  vor  herbstlicher  Überflutung
  schützten..  Eine  breite  Uberschwemmungezone  entstand  vor  dem
rechten  Flügel  des  deutschen  Angriffe  und  drängte  zurück,  was  slch  noch  retten
konnte.  Der  Überflügelungeversuch  war  gescheitert.

Nun  blieb  nur  noch  der  Ourchbruch.  Die  4.  Armee  hatte  schon  zu
stark  gelitten,  ihr  war  dlese  Leistung  nicht  mehr  zuzumuten.  So  mußte  die  südlich
  anschließende  6.  Armee  elnspringen.  Aus  ihr  wurde  eine  Sturmgruppe
Fabeck  geblldet,  die  am  30.  Oktober  in  wlldem  Anprall  gegen  die  Südkante
der  weiten  Vogenstellung  anrannte,  welche  die  Engländer  auf  dem  Höhenzug
östlich  Bpern  um  die  Stadt  herumgelegt  hatten.  Aber  Freuch  wußte,  es  ging
ume  Ganze.  Er  warf  dle  beträchtlichen  Verstärkungen,  die  lhm  zur  Verfügung

152