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Machtwort ersetze und nach diesem Machtwort die Art und Menge
der verschiedensten Waaren erzeuge. Das heißt mit anderen Worten:
die Marx'sche Theorie vom alleinigen Werth der Arbeit hätte nur
dann Bestand, wenn der Staat durch ein Machtwort jedem Mit-
gliede der menschlichen Gesellschaft nicht nur bis auf jedes Kleidungs-
stück, jedes Hausgeräth, jedes Buch, sondern auch bis auf den ein-
zelnen Bissen, den einzelnen Trunk, die einzelne Zigarre, bis auf
jedes einzelne Genußmittel vorschreiben könnte, was für Lebens-
mittel der Einzelne verbrauchen und genießen dürfe und solle. Und
selbst dann würden die bald reichlichen, bald kargen Kräfte und
Spenden der Natur, reiche und schlechte Ernten, kalte und warme
Sommer und Winter dieses ungeheure Rechnungswerk der mensch-
lichen Vorsehung Staat auf den Kopf stellen oder durchkreuzen.
Man sollte kaum für möglich halten, daß in einem Menschen-
hirn, in einem freien menschlichen Willen die Sehnsucht nach einem
Staatsgebilde erwachen könnte, welches in so brutaler Weise mit
den letzten und ursprünglichsten, unveräußerlichsten Rechten mensch-
licher Freiheit aufräumen soll. Und doch will das die deutsche
Sozialdemokratie. Auf dem Grabe der Bedarfsbestimmung des
einzelnen Menschen, welche solange die Welt steht, von der schranken-
losesten und wüthendsten Tyrannei noch niemals angetastet worden
ist, wollen unsere Kommunisten ihren sogenannten „freien Staat“
errichten! Schon in den eigenen Reihen, unter den am 5. Sep-
tember 1871 zum Haager Kongreß versammelten Kommunisten,
nannten die Bakuninisten deshalb mit Recht den allmächtigen Zu-
kunftsstaat von Karl Marx „eine unerträgliche Despotie, das reak-
tionärste Gebilde der Welt“.
Sehen wir uns nun diesen beseligenden Zukunftsstaat — oder
da sie von „Staat“ nichts mehr wissen wollen, diese „Zukunftsgesell-
schaft" — unserer Kommunisten genauer an.