Full text: Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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schweizer Muster ersetzt werde.“) (Lautes, andauerndes Gelächter rechts.) 
Ich verwickelte mich aber leider in eine der vielfachen Schlingen der Ge- 
schäftsordnung. Der einzig vernünftige Zweck der Organisation einer bewass- 
neten Macht ist Schutz der nationalen Interessen, Vertheidigung der Freiheit 
nach Innen, Vertheidigung der Unabhängigkeit nach Außen. Ich sage, das 
stehende Heer erfüllt diesen Zweck nicht, wie die Geschichte der Neuzeit in 
Tausenden von Beispielen beweist; ein Beispiel, welches das Gegentheil be- 
wiese, liegt nicht vor. (Große Heiterkeit rechts.) Anstatt die nationalen 
Interessen zu beschützen, schädigt das stehende Heer dieselben in jeder Weise. 
.. Das stehende Heer hat auch die Aufgabe, die Unabhängigkeit und Ehre 
des Landes nach außen hin zu schützen, nicht erfüllt. guscchchuer) Ich er- 
innere Sie an Jena. (Oho! oho! Wiederholtes Gelächter.) Ich erinnere 
Sie an Luxemburg (Große Heiterkeit und Gelächter); meine Herren, durch 
Ihr Gelächter kommt Luxemburg nicht zu Deutschland zurück. Es ist los- 
getrennt von Dentschland, mit „Mäßigung“ „suaviter in modo, fortiter in 
re“, losgelöst von Deutschland. Ich erinnere Sie weiter an die beabsichtigte 
Preisgebung Nordschleswigs. (Oho! ohol) Ist das ein Beweis deutscher 
Macht? Ich erinnere Sie ferner an die schamlose Unterdrückung der deutschen 
Nationalität in den leider jetzt noch von Nußland beherrschten Ostsee-Pro- 
vinzen. (Unruhe.) Wo ist die gewaltige norddeutsche Kriegsmacht geblieben? 
Was ist geschehen, um dort die Nationalität unserer Landsleute zu wahren? 
Sie sind ja so stark; sagen Sie der russischen Regierung: „Wir werden 
unsere 500000 Mann marschieren lassen, wenn unsern deutschen Brüdern 
nicht ihr Recht wird,“ und man wird sie nicht länger unterdrücken, die 
Drohung wird hinreichen. Jedenfalls ist es Thatsache (7)), daß gerade jetzt 
das Ausland mit unserm Vaterlande in einer Weise spielt, wie man 
früher vor dem Bruch des Bundes, vor der Zerreißung Deutsch- 
lands es nicht gewagt hat. Es ist kein Fuß breit deutschen Landes losge- 
löst worden von Deutschland, so lange der deutsche Bund bestand 
(Heiterkeit), jetzt seit Ihrer glorreichen Neugestaltung, reißt das Ausland 
Stück um Stück vom deutschen Leibe los (Oho, ohoh), jetzt erst wagt man 
die deutsche Nationalität in Rußland niederzutreten, was man bisher nicht 
gewagt hat. Und das verdanken wir Ihrem stehenden Heere, durch welches 
Sie das preußische Volk bei den Haaren in den vorjährigen Krieg hinein- 
gezerrt haben. Denn das Volk hatte einstimmig gegen diesen Bruderkrieg 
protestirt. (Große Unruhe.) Ich spreche von dieser Stelle nicht zu Ihnen; 
ich spreche zum Volke da draußen. (Heiterkeit rechts.) .. Die alte Land- 
wehr war gut gegen den äußeren Feind, aber Ihr reorganisirtes Heer war 
gut gegen das preußische Volk, gegen das deutsche Volk; die Reorganisation 
war nothwendig, um die Politik durchzuführen, welche Deutschland zerrissen, 
geknechtet, dem Auslande preisgegeben hat. (Unruhe rechts.) Das sind 
Worte, die das Volk verstehen wird, denn jeder dentsche Patriot wird von 
tiefem Schmerz ergriffen, wenn er der Ereignisse des vorigen Jahres gedenkt. 
Sie, m. H., sind die Sieger, ich gehöre zu Denjenigen, welche damals be- 
  
*) Das wollte der edle deutsche Patriot uns vorschlagen, während selbst 
die Schweiz, obwohl ihre Neutralität durch europäische Verträge gewährleistet 
ist, von Jahr zu Jahr mehr ihr Heerwesen dem deutschen Vorbild auzu- 
passen sucht.