Der gesetzliche Sinn unserer Sozialdemokratie.
(„Wir wollen keine Revolution!")
Auf der Tribüne des Reichstages und vor den deutschen Wähler-
schaften und Bevölkerungsschichten, welche erst noch für die Sozial-
demokratie eingefangen werden sollen, da behaupten die Abgeord-
neten und Redner dieser Partei immer: sie sei eine „wissenschaftliche"
Partei, eine „friedliche Reformpartei“, welche die Erreichung ihrer
Ziele auf gesetzlichem Boden, mit gesetzlichem Sinn anstrebe, auf
dem Wege der allmählichen Ueberredung und Ueberzeugung der
Mehrheit des Volkes, im Rahmen des heutigen Staates, der Ge-
sellschaft, mit Hülfe der gesetzlichen Einwirkung auf die Arbeit und
die Beschlüsse der parlamentarischen und gesetzgebenden Gewalten des
Reiches, der Einzelstaaten, der Gemeinden. Angeblich nur zu diesem
friedlichen, unser Volk beglückenden Zwecke lassen sich unsere Sozial-
demokraten von den guten deutschen Reichs= und Staatsbürgern,
welche ihren süßen Worten Glauben schenken, in den Reichstag, in
den Landtag, in die Gemeindevertretungen wählen. Die Rolle,
welche sie dort spielen, ist allerdings schon eine wesentlich andere,
als diejenige, welche sie vor den Wahlen dem Volke vorgaukeln,
aber sie haben dann bei den nächsten Wahlen hierfür wieder die
schönsten Entschuldigungen und versichern namentlich in rührender
Uebereinstimmung durch das ganze deutsche Reich und bei Wahlen
aller Art, an welchen sie theilnehmen, daß nichts ihnen ferner
liege, als der Gedanke, auf dem Wege des gewaltsamen Umsturzes,
der blutigen Revolution ihr Ziel zu erreichen, und daß dieses Ziel
keineswegs bestehe in der völligen Vernichtung der gesammten heutigen
Staats= und Gesellschaftsordnung, in der Vernichtung alles Einzel-
oder Privateigenthums, der Enteignung des gesammten Grund und
Bodens, aller Ersparnisse, Erbschaften u. s. w., u. s. w., in der Ab-
schaffung aller Reichs-, Staats-, Landes= und Gemeindegewalten, in
der Aufhebung unserer heutigen Familie, Ehe und Kindererziehung.
Diese Ziele sind ja in dem Abschnitte dieses Buches, „Die
kommunistische Zukunftsgesellschaft", an der Hand eines der ein-