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geschworenen Führer nach dem sozialdemokratischen Hochgebirge, des
Herrn August Bebel, schon eingehend dargelegt worden.
Und der Weg in diese neue Welt soll also ein völlig fried-
licher sein, wie das ja einer solchen „wissenschaftlichen" Menschheits-
beglückungsgesellschaft, als welche sich unsere Sozialdemokratie aus-
giebt, auch zukommt. Sie denkt nicht an Gewalt, an Revolution,
bewahre! Sie hält sich nur an ihre „wissenschaftliche“ Beredsam-
keit als Ueberzeugungsmittel. Und diese Beredsamkeit ist von so
wunderbarer Kraft, daß unsere gesammte wirthschaftliche Produk-
tionsweise von heute, Staat und Gesellschaft, Kultur und Sitte,
allmählich mit hellen Freuden in die kommnnistische Zukunftsgesell-
schaft „hineinwächst“. Eines Tages schlägt es zwölf Uhr, und dann
danken unser Kaiser, König, Landesherr, die Senate unserer freien
Städte, freiwillig ab für immer, und lassen die Herren Liebknecht,
Bebel, Grillenberger, den Mäntelfabrikanten a. D. Singer von Ber-
lin, den Gärtner z. D. Bock von Gotha, den Hutmacher à la snite
Heine von Halberstadt, und andere Hüter des kommnnistischen Para-
dieses, ihre Throne und Regierungssessel einnehmen, welche dann
mit einem funkelnagelnenen Blechschild — Blech ist nämlich das
Edelmetall und alleinige Zahlungsmittel in dieser nenen Herrlichkeit,
wie schon heute in den sozialdemokratischen Schriften und Reden —
behaftet werden, auf welchem zu lesen ist: „Geschäftsstelle der kom-
munistischen Weltrepublik, Provinz Nr. 1, vormals Deutschland.“
Gleichzeitig eilt die gesammte bisherige Regierung, Kirchen= und
Gemeindeverwaltung, alles Volk, Bürger und Landmann, jubelnd
herbei, um sich von den neuen Machthabern Alles abnehmen zu
lassen, was sie besitzen, Haus und Hof, alles bewegliche Eigenthum
und „Kapital“, bis auf den letzten Nothpfennig für Krankheit und
Alter. Jeder, welcher verheirathet ist und Kinder hat, bringt diese
schlennigst, je nach ihrem Alter, in das allgemeine Findelhaus, oder
in den Kindergarten, oder in die Kinder-Kaserne, und fragt dann
seinen Ehegatten, ob man noch ferner beieinander bleiben, oder nach
dem nenen Recht der „freien Liebe“ wechseln wolle, oder man fragt
auch den Ehegatten nicht mal. Die Kirchen, Schulen, Gymnasien
und Hochschulen, die Gerichtsgebäude und Gefängnisse werden ge-
schlossen, und die Geistlichen, Lehrer und Professoren, die Richter,
Staats= und Rechtsanwälte werden Handarbeiter um Tagelohn.
Alles das mit Jauchzen und Glickseligkeit.
Glaubst Du das, lieber Leser, daß diese grundstürzende Um-
wälzung sich auf diese Weise vollziehen wird? Glaubst Du, daß
unser hoher Herr, der Kaiser, unser geliebter Landesfürst, die
Rechte seiner Herrschergewalt, welche die Heldenlaufbahn seiner er-
lauchten Ahnen, eine viel hundertjährige ruhmreiche Geschichte, in
seine und seines Geschlechtes Hand legte, freiwillig an die Herren