Die Arbeiterfreundlichkeit unserer Sozialdemokratie.
1. Was haben die sozialdemokratischen Abgeordneten
im Reichstag für die Arbeiter gethan?
Die fünfunddreißig sozialdemokratischen Abgeordneten kosten
ihren Wählern während der Reichstagssitzungen täglich, bei neun
Mark Diäten für jeden der Herren, 315 Mark, also 3150 Schweiß-
groschen jeden Tag. Im Jahre macht diese Ausgabe — wenn wir
eine nur viermonatliche jährliche Reichstagstagung annehmen —
37,800 Mark, in den fünf Jahren der Gesetzgebungsperiode von 1890
bis 1895 hatte die Partei also nicht weniger als 189,000 Mark allein
an Diüten aufzubringen. In früheren Tagungsperioden ist dieses
Opfer, bei geringerer Abgeordnetenzahl, allerdings entsprechend ge-
ringer gewesen. Aber immer bleibt diese Ausgabe für die Tage-
gelder der Abgeordneten auch die allergeringste, welche die Reichs-
tagswahlen der Partei auferlegen. In einem früheren Abschnitte
dieses Buches, bei Darstellung der Entwickelung der Partei von
1867 bis 1891, sind die aus den Partei-Kongreßprotokollen von
1875 bis 1890 erhellenden Summen aufsgezählt worden, welche die
sozialdemokratische Reichstagswahlagitation verschlungen hat. Die
Gesammtsumme dieser Wahlausgaben beläuft sich auf
Millionen, d. h. auf eine Summe, aus deren Zinsen gar manche
unverschuldete Noth in deutschen Arbeiterfamilien gehoben, gar
manche Arbeiter-Wittwenthräne getrocknet, gar manche begabte
Arbeiterwaise gut erzogen werden könnte. Wenn Jemand bezweifeln
möchte, daß eine so ungeheuere Summe von Arbeiterschweißgroschen
in dem Wind der sozialdemokratischen Wahlbewegungen spurlos ver-
flogen ist, so mag er nur die in den amtlichen Kongreßprotokollen
genannten Summen zusammenzählen. Der Wahlaufwand der Partei
von 1867 bis 1875 war ein verhältnißmäßig noch erheblicherer,
weil sich damals die spätere kommunistische und die Lassalle'sche
Arbeiterpartei noch feindlich gegenüberstanden und auch gegenseitig
bekämpften, nicht blos die „bürgerlichen“ Parteien. Auch daran
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