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Rücksicht auf die nächstliegenden Interessen die letzten Folgerungen einer
Idee zu ziehen, der er sich hingibt. Er will alles in der Tiefe erfassen.
Wie er als Katholik die weitgehendsten Ansprüche seiner Kirche versicht,
während der katholische Tscheche und Pole keinen Schritt vom nationalen
Boden weicht, so ist auch der deutsche Sozialdemokrat im Gegensatz
zu den „Genossen anderer Nationalität, die ihr Stammesbewußtsein
wahren, fester und zuverlässiger auf das internationale Programm
eingeschworen.
Trotz alledem ist die Lage des Deutschtums in Osterreich keine verzweifelte.
Ober= und Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg, der
größere Teil Steiermarks, Kärntens und Tirols sind kerndeutsche Lande,
in denen deutsches Leben fröhlich gedeiht. An den Sprachgrenzen und
in den gemischtsprachigen Landen tobt freilich der Kampf. Aber der
Kampf stählt. Der Deutschösterreicher zeigt heute durchweg eine straffere
nationale Haltung als ehedem. Die gerade für den Kampf so wenig
fördersamen deutschösterreichischen Besonderheiten sind zurückgedrängt.
Die Christlich-Sozialen sind aus ihrer Lauheit aufgerüttelt worden. Die
schroff nationalistische Einseitigkeit der tschechischen Arbeiter sprengt in
Osterreich selbst die internationale Organisation der Sozialdemokratie
auseinander und lenkt die deutsche Gefolgschaft der Partei in nationale
Bahnen. Jedenfalls ist die deutsch-nationale Gewerkschaftsorganisation
Osterreichs derzeit in glücklichem Fortgang begriffen.
Ernstlich bedroht erscheint das Deutschtum nur in den Sudetenländern.
In Mähren geht es noch leidlich. Im östlichen Osterreichisch-Schlesien
ist die Lage der Deutschen schwieriger. In Böhmen steht es auf des Messers
Schneide. Die Deutschböhmen sind heute in der Hauptsache einig.
Man hat sich auf die klare Forderung einer reinlichen Scheidung der
Sprachbezirke zurückgezogen. Es ist ein alter Gedanke, der zum erstenmal
Mitte des vorigen Jahrhunderts auftauchte, zu einer Zeit, da eine
deutsche Mehrheit den böhmischen Landtag beherrschte und Prag dem
Besucher als eine deutsche Stadt erschien. Die von tschechischer Seite erhobene
Forderung einer nationalen Abgrenzung ist damals von den Deutschen
zurückgewiesen worden. Seither hat das Blatt sich gewendet. Die
Tschechen haben ihr Ubergewicht rücksichtslos ausgebeutet und ihre Begehrlichkeit
ist ins Ungemessene gestiegen. Die zur Hälfte von Deutschen
aufgebrachten Steuergelder werden weit überwiegend für tschechische
Zwecke verbraucht. Für tschechische öffentliche Bauten wird 2 ½ mal
A##n# 402: Hoeniger, Deutschtum im Ausland. 2. Aufl. 3