Full text : Das Staatsrecht des Deutschen Reiches.

XXVI.  Abschnitt:  Das  Seewesen.  471

zu  führen.  (Gesetz  vom  22.  Juni  1899  §  1  S.  319  und  Gesetzbl.  1901  S.184).
Schiffe  fremder  Nationalität  sind  derselben  nicht  unterworfen.  Durch
die  Seemannsordnung  ist  namentlich  die  Einrichtung  der  Seefahrtsbücher
  anerkannt  und  weiter  ausgestaltet  worden.  Das  Seefahrtsbuch
  dient  in  erster  Linie  dem  Schiffsmann  als  Ausweis  und
Legitimation  über  seine  allgemeinen  persönlichen  Verhältnisse,  sodann
aber  auch  als  Grundlage  für  die  Musterungsverhandlungen.  Ohne  dasselbe
  darf  niemand  und  zwar  auch  nicht  Ausländer  im  Reichsgebiet
als  Schiffemann  auf  einem  deutschen  Schiffe  in  Dienst  treten.  Das
Seefahrtsbuch  hat  aber  auch  noch  die  Bestimmung,  den  Schiffsleuten
jederzeit  einen  vollständigen  und  beglaubigten  Ausweis  über  die  gesamten
  bisherigen  Rang=  und  Dienstverhältmsse  und  über  die  zurückgelegte
  Dienstzeit,  sowie  über  die  dem  Schiffsmann  anzurechnenden
Beitragswochen  zur  Invalidenversicherung  zu  bieten.  (8  11.)  In  dasselbe
  ist  daher  über  jede  An=  und  Abmusterung,  sowie  über  jede  eine
solche  ersetzende  Anzeige  ein  Vermerk  einzutragen.  (8  7—26.)

Kapitän  im  Sinne  dieses  Gesetzes  ist  der  Führer  des  Schiffes
(Schiffer),  in  Ermangelung  oder  Verhinderung  desselben  dessen  Stellvertreter.
  Derselbe  ist  der  Dienstvorgesetzte  der  Schiffsoffiziere  und
Schiffsleute.  (8  3.)

Schiffsoffiziere  sind  die  zur  Unterstützung  des  Kapitäns  in  der
Führung  der  Schiffe  bestimmten  Angestellten,  welche  zur  Ausübung
ihres  Dienstes  eines  staatlichen  Befähigungsnachweises  bedürfen,  sowie
die  Aerzte,  Proviant-  und  Zahlmeister.  (§  20.)

Schiffemann  ist  jede  sonstige  zum  Dienst  auf  dem  Schiffe  während
der  Fahrt  für  Rechnung  des  Rheders  angestellte  männliche  oder  weiblice
  Person  ohne  Unterschied,  ob  die  Anmusterung  erfolgt  ist  oder  nicht.
Der  Lootse  gilt  nicht  als  Schiffsmann.  (§  2  Abk.  2.)

Der  Schiffsmann  ist  der  Disziplinargewalt  des  Schiffers  unterworfen.

Dieselbe  beginnt  mit  dem  Antritt  des  Dienstes  und  erlischt  mit
dessen  Beendigung.  (8§  84.)

Der  Schiffer  ist  befugt,  alle  zur  Aufrechterhaltung  der  Ordnung
und  zur  Sicherung  der  Regelmäßigkeit  des  Dienstes  erforderlichen  Maßregeln
  zu  ergreifen.

Bei  einer  Widersetzlichkeit  oder  bei  beharrlichem  Ungehorsam  ist
der  Schiffer  zur  Anwendung  aller  Mittel  besugt,  welche  erforderlich
sind,  um  seinen  Besehlen  Gehorsam  zu  verschaffen.  Er  darf  gegen  die
Beteiligten  die  geeigneten  Sicherungsmaßregeln  ergreifen  und  sie  nötigensalls
  während  der  Reise  fesseln.

Jeder  Schiffsmann  muß  dem  Schiffer  auf  Erfordern  Beistand
zur  Aufrechterhaltung  der  Ordnung,  sowie  zur  Abwendung  oder  Unterdrückung
  einer  Widersetzlichkeit  leisten.

Im  Auslande  hat  der  Schiffer  in  dringenden  Fällen  die  Kommandanten
  der  ihm  zugänglichen  Fahrzeuge  der  Kriegsmarine  des  Reichs
um  Beistand  zur  Aufrechterhaltung  der  Disziplin  anzugehen.  (§  91.)
            
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