672 Hartleibigkeit — Hausapotheke.
bei Fisteln. Feststellung der Ursache ist unsere erste Aufgabe; denn die Behandlung
richtet sich darnach ein. Bei Harnverhaltung wirken heiße Vollbäder sehr
gut, ebenso heiße Kompressen; ist die Einführung des Katheters unmöglich und
wird der Zustand lebensgefährlich, dann muß der Blasenstich gemacht werden,
sonst erliegt der Kranke. Das Harnträufeln ist oft nur eine vorübergehende
Erscheinung und kann durch sachkundige Massage der vorderen Scheidenwand
sowie gutsitzende Leibbinden gebessert werden. Bei Schlaffheit der Genitalien
und altem Dammriß bringt die Dammoperation Besserung.
Hartleibigkeit. Sie ist eine der häufigsten Krankheitszustände der
heutigen Menschheit; ja, wenn es so fortgeht, wie es jetzt in den Städten
bei der „kräftigen“ Nahrung geschieht, so werden jene
bald als Seltenheiten gelten, die tägliche Stuhlentleerungen
haben, ohne künstliche Mittel anzuwenden,
und die man deshalb bewundert. Darmträgheit infolge
mangelhafter Tätigkeit der Darmdrüsen, infolge
Versagens der Leber, allgemeiner Nervenschwäche,
allerlei Darmkrankheiten oder des Fiebers usw. (auch
Fig. 380. Hasenscharte. aus Gewohnheit, indem durch häufige Unterdrückung
(Gespaltene Lippe.) des Stuhldranges schließlich der Drang sich immer
seltener einstellt) sind die Ursachen. Harte kleine
Knöllchen, große dicke Kotmassen dehnen den Darm stark aus und machen
mitunter große Beschwerden. (Siehe „Stuhlverstopfung“, „Abführmittel“.).
Palenscharte (Fig. 380). Auf unserer Tajel Nr. 18 ist eine Hasenscharte
abgebildet. Sie besteht in einer Spaltung der Oberlippe, welche im
zweiten Schwangerschaftsmonat bei jeder Frucht vorhanden ist, wie uns die
Abbildungen des Embryos im II. Teil belehren. Wenn demnach statt der
Verwachsung der Oberlippe eine Spaltung bleibt, so handelt es sich um einen
Bildungsfehler, eine Störung in der normalen Entwicklung der Frucht, die
zu einer häßlichen Verunstaltung führt. Man beseitigt diesen Fehler durch
eine kleine Operation am besten nach Ablauf des ersten Lebensjahres.
„PHausapotbeke nach Frau Dr. Fischer-Dückelmann. Nicht Pillen und
geheimnisvolle Säfte halte man sich in einer kleinen Hausapotheke bereit, sondern
allerlei Hilfsmittel, die uns für Notfälle ausrüsten und in den Stand setzen,
kleinere Störungen in unserer Gesundheit gleich selbst auszugleichen. Wir brauchen
an Hilfsapparaten unvermeidlich: einen Badethermometer, einen Fieberthermometer,
eine kleine Ballonspritze, wie Fig. 383 zeigt, einen Irrigator
mit Schlauch, samt Darm-und Scheidenrohr, eine spitzige Pinzette (siehe Fig. 296)
zur Entfernung kleiner Splitter, wie sie Kinder so häufig in Händen und Füßen
haben, eine Bauchflasche (siehe Fig. 260) mittlerer Größe, die gelegentlich auch
zur Kühlung gebraucht werden kann; dann brauchen wir eine Rumpfpackung
ans Rohseide mit Flanellbedeckung, desgleichen Hals= und Wadenpackung,
mindestens drei Dampfkruken nach Fig. 385, Wickel um Verbände festzuhalten,