Wiener Friede. Ohnmacht der Mittelstaaten. 773
sie ihn lieber fallen und beschränkte sich auf eine lebhafte
Polemik im Dresdner Journal gegen den von der officiellen
preußischen Publicistik verfochtenen Satz, daß die Großmächte
kraft des Friedens befugt seien lediglich nach ihrem Belieben
über die Herzogthümer zu verfügen. Daß die gothaer Partei
jetzt zu ihrem alten Programm, Kleindeutschland unter preu-
Kischer Führung, zurückkehrte, zog ihr von der Regierungspresse
die neue Ankündigung offenen Krieges zu. Dürftig, ja fast
spöttisch war die wegen Rendsburgs geleistete Genugthuung:
Preußen erklärte in der zur Regelung der dortigen Besatzungs-
verhältnisse niedergesetzten Commission, in welcher Sachsen durch
Oberst v. Fabrice vertreten war, daß es gegen die Rückkehr
der Bundestruppen durchaus nichts einzuwenden habe, worauf
am 27. November ein Bataillon Hannoveraner und zwei
Compagnien Sachsen feierlich wieder einrückten und einen be-
sonderen Stadttheil besetzten.
Der bisherige Verlauf der schleswig holsteinschen Sache
zeigte unwiderleglich, daß der Verlaß der Mittelstaaten auf
Osterreichs oft gepriesene Bundestreue ganz trügerisch sei,
daß diese eben nur so weit reiche, wie es für seinen augen-
blicklichen Vortheil für gut finde; zugleich aber stellte er auch
die Impotenz der Mittelstaaten, ihre Unfähigkeit den Trias-
gedanken zu verwirklichen und es dem vereinten Willen der beiden
Großmächte gegenüber zu einem selbständigen und geschlossenen
Handeln zu bringen außer allen Zweifel. Aber die Lehre war
für sie rerloren und diese Regierungen, deren Können mit
ihrem Willen so wenig Schritt hielt, büßten dafür mit neuen
Demüthigungen. Die verwickelte Erbfolgefrage spottete aller
ihrer Versuche eine befriedigende Wsung aufzufinden, da Preu-
ßen bereits entschlossen war sich in den Herzogthümern zu be-
haupten. Beust conferierte auf der Rückreise aus Gastein in
Wien ebenso eifrig als erfolglos mit Graf Rechberg über die
deshalb von Bismarck gemachten Vorschläge, bis Rechbergs
Rücktritt diese Unterhandlungen auf mehrere Wochen ins
Stocken brachte. Diese Pause benutzte Bismarck um Holstein
dem Bunde vollends aus den Händen zu winden. Die aus