Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Dritter Band: Neuere Geschichte Sachsens von 1806-1866. (3)

Wiener Friede. Ohnmacht der Mittelstaaten. 773 
sie ihn lieber fallen und beschränkte sich auf eine lebhafte 
Polemik im Dresdner Journal gegen den von der officiellen 
preußischen Publicistik verfochtenen Satz, daß die Großmächte 
kraft des Friedens befugt seien lediglich nach ihrem Belieben 
über die Herzogthümer zu verfügen. Daß die gothaer Partei 
jetzt zu ihrem alten Programm, Kleindeutschland unter preu- 
Kischer Führung, zurückkehrte, zog ihr von der Regierungspresse 
die neue Ankündigung offenen Krieges zu. Dürftig, ja fast 
spöttisch war die wegen Rendsburgs geleistete Genugthuung: 
Preußen erklärte in der zur Regelung der dortigen Besatzungs- 
verhältnisse niedergesetzten Commission, in welcher Sachsen durch 
Oberst v. Fabrice vertreten war, daß es gegen die Rückkehr 
der Bundestruppen durchaus nichts einzuwenden habe, worauf 
am 27. November ein Bataillon Hannoveraner und zwei 
Compagnien Sachsen feierlich wieder einrückten und einen be- 
sonderen Stadttheil besetzten. 
Der bisherige Verlauf der schleswig holsteinschen Sache 
zeigte unwiderleglich, daß der Verlaß der Mittelstaaten auf 
Osterreichs oft gepriesene Bundestreue ganz trügerisch sei, 
daß diese eben nur so weit reiche, wie es für seinen augen- 
blicklichen Vortheil für gut finde; zugleich aber stellte er auch 
die Impotenz der Mittelstaaten, ihre Unfähigkeit den Trias- 
gedanken zu verwirklichen und es dem vereinten Willen der beiden 
Großmächte gegenüber zu einem selbständigen und geschlossenen 
Handeln zu bringen außer allen Zweifel. Aber die Lehre war 
für sie rerloren und diese Regierungen, deren Können mit 
ihrem Willen so wenig Schritt hielt, büßten dafür mit neuen 
Demüthigungen. Die verwickelte Erbfolgefrage spottete aller 
ihrer Versuche eine befriedigende Wsung aufzufinden, da Preu- 
ßen bereits entschlossen war sich in den Herzogthümern zu be- 
haupten. Beust conferierte auf der Rückreise aus Gastein in 
Wien ebenso eifrig als erfolglos mit Graf Rechberg über die 
deshalb von Bismarck gemachten Vorschläge, bis Rechbergs 
Rücktritt diese Unterhandlungen auf mehrere Wochen ins 
Stocken brachte. Diese Pause benutzte Bismarck um Holstein 
dem Bunde vollends aus den Händen zu winden. Die aus