Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Fall Magdeburgs. 153 
nach dem Schlusse des leipziger Convents an die Spitze des 
neuerrichteten sächsischen Heeres getreten war, seine Anerbietungen 
und Mahnungen am dresdner Hofe. Er stellte die Wahl 
zwischen enger Verbindung zu gemeinschaftlicher Kriegführung 
gegen den Kaiser oder selbständiger Action des leipziger Bundes 
unter Leitung Johann Georgs mit kräftiger Unterstützung 
seinerseits. Allein hatte sich von jeher des Kurfürsten ehrlich -pa- 
triotisches Herz gegen alle fremde Einmischung empört, wobei er 
nur ganz übersah, daß auch das Kaiserhaus, wennschon zum Theil 
deutscher Abstammung, doch durchaus undeutsch dachte und 
handelte, so trat jetzt auch noch das Mißbehagen über die Aus- 
sicht sich Gustar Adolfs persönlichem Ubergewicht unterordnen 
zu sollen, und das alte Mißtrauen gegen die schon fest zu Schwe- 
den haltenden Ernestiner hinzu. Wie sehr daher auch Arnim 
in ihn drang, auf des Königs Vorschläge einzugehen, da alles 
verloren sei, wenn dieser die Sache der Evangelischen verlasse, 
so bestand doch der Kurfürst darauf, nichts über die zu Leipzig 
beschlossene Defension hinaus zu thun; ja er verstattete sogar 
dem vor Tilly flüchtigen Herzog Wilhelm von Weimar nur 
unter der Bediugung, daß er seine Truppen an der kursächsischen 
Grenze entlasse, eine Zuflucht in Leipzig. So beschränkte sich Arnim 
auf die Organisation des Heeres, zu welcher die 18./28. Juni 
nach Dresden berufenen Stände die Mittel gewährt hatten; 
Dresden wurde stärker befestigt und die Neustadt gegen plötz- 
liche Uberfälle gesichert. Landgraf Wilhelm von Hessen aber 
und die Herzöge von Weimar warfen sich nun, da Kursachsen 
sie im Stiche ließ, ganz den Schweden in die Arme, während 
die zur Unterhaudlung mit Tilly nach Oldisleben abgefertigten 
kurfürstlichen Gesandten v. Miltitz und v. Wolfersdorf dort 
nur drohende Forderungen zu hören bekamen. Deun schon 
jetzt hätte Tilly am liebsten sich auf Sachsen geworfen, um, 
wie eifrige Katholiken hossten, dem Kurfürsten das Schicksal 
Friedrichs von der Pfalz zu bereiten und Sachsen durch die 
Zesuiten wieder katholisch zu machen 1), wenn ihn nicht der 
1) Helbig a. a. O., S. 49.
	        
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