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156 Kurfürst Johann Georg I.
Schlacht übel ablaufen sollte, ganz und gar gethan sein und
die Kurhüte gewaltig zu wackeln und zu springen anfangen.“
Aber brennend vor Verlangen, sein armes Land von den ent-
setzlichen Feinden zu befreien, bestand der eben noch so zaghafte
Johann Georg auf der Schlacht, ehe Aldringer sich mit Tilly
vereinige, und so entschloß sich Gustav Adolf vorzurücken. Bei
Breitenfeld, eine Meile nördlich von Leipzig, geschah die Schlacht
7./17. September 1631. Die Sachsen, meist junges un-
versuchtes Volk, die von den Schweden getrennt den linken
Flügel bildeten, wiesen zwar den ersten Angriff tapfer zurück;
als aber Tilly sich mit großer libermacht auf sie warf, flohen
sie in wildem Durcheinander von der Wahlstatt, mit ihnen
der Kurfürst, bis nach Eilenburg. Nur vier alte Reiterregimenter
hielten aus und wurden von dem bestürzten Arnim dem Könige
zugeführt, der mittelst einer kühnen Schwenkung die Entblößung
seiner linken Flanke wieder gut machte und durch Wegnahme
des feindlichen Geschützes nach fünf blutigen Stunden einen
glänzenden Sieg errang. 2000 Sachsen lagen auf dem Schlacht-
felde, unter ihnen der Generalwachtmeister Bindauf 1).
Der zurückkehrende Kurfürst fand die Schweden vor Leip-
zigs Thoren, und der König war edelmüthig genug, ihm die
Beschämung über seine Flucht zu ersparen, indem er ihm dankte,
daß er zur Schlacht gerathen ). Schon am 12./22. Sep-
1) Iu der Siegesbotschaft an die Näthe in Dresden ließ der Kur-
fürst erwähnen, „daß von der sächsischen Armee ctliche Regimenter ausge-
rissen und daß er seine Netirade zu dem Ende nach Eilenburg genommen,
um kas ausgerissene Volk zu sammeln und zum Könige zu führen.“
Eigenhändig setzte er hinzu: „Das heißt den Pfassen die Platten ge-
schoren. Wenn ich alleine gewesen, würden wir Pilsse gelriegt haben.
Der König nächst Gott ist unser Erlöser.“ Helbig, S. 55.
2) Pulendork, De rebus succis (1070), L. III, § 31 berichtet, in
der Freude seines Herzens habe Johanu Georg versprochen, mit allen
Kräften treulich dazu helfen zu wollen, daß Gustav Adolf zum römischen König
erwählt werde: sed qucm uflectum lacile deinceps Austrincorum urtes
relrigerahant. — Die Siudenten sangen nach der Schlacht: Non inlaun
Christianus, non Rex cerevininnus, Suecus nos liberavit, qui hos tyrunnes
stravit. Förster, Wallensteins Briefe II, 77.