Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

1639 
178 Kurfürst Johann Georg I. 
aber Leipzig trotz dreiwöchentlicher Belagerung nicht erobern, 
da Götz und Hatzfeld zum Entsatz herbeikamen, vor denen er 
sich hinter seine Verschanzungen bei Torgau zurückzog. Aber 
das unglückliche Land mußte seinen Zorn gegen den Kurfürsten 
entgelten. Namenloses Elend kam über die Bewohner, Scheuß- 
lichkeiten aller Art, die selbst zu berichten das Gefühl sich 
empört, wurden von den Unmenschen zur Lust an ihnen verübt ), 
bis endlich Baner, als auch Gallas heranrückte, ins Branden- 
burgische wich; aber die Kaiserlichen trieben es nicht viel besser 
als die Schweden und erst durch die Verlegung des Kriegs- 
schauplatzes an die Oder und nach Pommern wurde Sachsen 
eine Zeit lang von den unmittelbarsten Drangsalen befreit. 
Diese Pause benutzte Johann Georg, um zu Leitmeritz persönlich 
mit Kaiser Ferdinand III. das Bündniß gegen Schweden zu 
erneuern. Allein noch vor Ablauf des Jahres 1638 brach 
Baner, der sich in Pommern aufs kühnste gegen Gallas be- 
hauptet hatte, von Thüringen kommend wiederum ins Voigt- 
land ein, nahm ein kaiserliches Corps unter Salis bei Reichenbach 
gefangen, besetzte Zwickau und nur das seit dem 2./12. März 
1639 belagerte Freiberg widerstand, von Oberstleutnant v. Haug- 
witz auf das tapferste vertheidigt, bis es von Marzin, jetzt 
in kursächsischen Diensten, und den Kaiserlichen unter Buchheim 
20./30. März entsetzt wurde. Nachdem er sich aber bei Zeiz 
durch Torstenson verstärkt hatte, schlug er 4./14. April die 
vereinigten Kaiserlichen und Sachsen, ehe Hatzfeld mit seinen 
1) Einzelheiten siehe in der Wurznischen Kreuz= und Marterwoche 
in Schöttgens Historie d. Stiftsstadt Wurzen (1717). — lber den 
berüchtigten Schwedentrunk schreibt M. Köhler, ein Geistlicher bei Neuen- 
sorge: „Die Tyrannei ist groß und üÜbergroß: wen sie ergriffen, den 
haben sie gereittelt, gefledelt, einen schwedischen Trunk eingegeben, darumb 
es also bewandt: Nach grausamen Prügeln und Schlagen haben sie die 
elende Person auf den Rücken gelegt, einen Stab die Zwerg in den Mund 
geleget und mehrmals etzliche Kannen Mistpfütze eingeflößet. Wenn solche 
zurück ihnen wieder aus dem Munde zu laufen angefangen, so ist einer 
mit gleichen Füßen ihm auf die Brust gesprungen, durch welche Marter 
die Henkerbuben die Vorräthe finden wollen. Aber leider, Gott, dir sei 
es geklagt, die meisten Personen starben elendiglich 2c.“" Dresdu. Archiv.
	        
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