Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

1617 
210 Inneres 1586—1656. 
aufgekommen war und Johann Georg I. 1613 die Artikel der 
neuen Steindrechslerinnung, deren Waaren selbst über dem 
Meere gesucht wurden, bestätigt hatte 1). Herz und Mittel- 
punkt des sächsischen Handels war bereits Leipzig, dessen Be- 
völkerung zwar von 17312 im Jahre 1623 auf 12360 im 
Jahre 1633 herabsank (während Berlin noch 1661 erst 6500 
Einwohner zählte), dessen Handel aber trotz der Kriegsdrang- 
sale doch nicht ganz unterging, da selbst feindliche Heerführer, 
z. B. Torstenson, in richtiger Erkenntuiß seiner Bedentung für 
ihr eigenes Interesse ihn gegen die nachtheiligen Folgen des 
Krieges zu schützen suchten, so daß es auch in der Zeit des 
Kriegs „des Landes bestes Asylum und armer Verjagter, 
Dürftiger und Kranker Apothek und Brodkammer“ genannt 
werden konnte. Gegen die Eingriffe in seine Meß-, Stapel- 
und Niederlagsgerechtigkeit, welche von den Nachbarstädten 
Brehna, Querfurt, Zerbst, Stollberg, Neustadt, Bernburg, 
Weißenfels, Schkeuditz, Halle und namentlich von Erfurt aus- 
gingen, welches letztere Leipzigs Unglück im Jahre 1633 durch 
Stiftung einer Neujahrsmesse ausnutzen wollte, schützte es sich 
durch wiederholte kaiserliche Bestätigungen seiner Privilegien?); 
es erhielt 1615 einen Wollmarkt, 1625 zwei Noß= und Vieh- 
märkte, 1612 entstand die Kramerinnung. Noch immer wurde 
mit Rücksicht auf Leipzigs Stapelpzerechtigkeit der Straßenzwang, 
namentlich zu Gunsten der hohen Straße aus Polen und 
Schlesien gegen die Sachsen umgehende niedere, standhaft ver- 
theidigt und aus demselben Grunde die von Böhmen in Vor- 
schlag gebrachte Erleichterung der Elbschiffahrt abgelehnt, die 
von dem Administrator, Herzog August, 1651 beabsichtigte 
Schiffbarmachung der Saale unterlassen. Leipzigs Handelsver- 
kehr rief auch unter Johann Georg I. die erste bleibendere Ein- 
richtung des sächsischen Postwesens, durch den Postmeister 
Johann Sieber, ins Leben, der die erste regelmäßige, wenn 
auch nur noch durch Fußboten vermittelte Postverbindung, von 
1) J. Schmidt, Gesch. der Serpentin-Industrie zu Zöblitz (1868), 
S. 10. 
2) Franz, Pragmat. Handelsgeschichte v. Leipzig, S. 92ff.
	        
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