Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

806 Kurflirst Friedrich August J. 
Messe zu hören und, als das polizeiliche Einschreiten dagegen 
1685 erst einen Tumult, dann eine Beschwerde des Kaisers 
hervorrief, so verstand sich Johann Georg III. doch schließlich 
dazu, den Besuch der Messe beim kaiserlichen Gesandton „durch 
Connivenz“ zu gestatten. Bereits befanden sich auch unter der 
nicht geringen Zahl der von nachgeborenen und kärglich apana- 
girten Nebenlinien entstammten protestantischen Prinzen, welche 
damals durch libertritt zum Katholicismus ihrer finanziellen 
Verlegenheit abzuhelfen suchten, einzelne Glieder des Hauses 
Wettin. Herzog Albrecht von Sachsen-Weißenfels war kurz 
vor seinem Tode (st. 1692) in den Schoß der katholischen 
Kirche zurückgekehrt, sein Vetter, Herzog Christian August von 
Sachsen-Zeiz, sogar in den geistlichen Stand getreten und 
gegenwärtig Bischof von Naab 1). Dieser wurde zum Werk- 
zeuge ausersehen, um auch den Kurfürsten selbst abtrünnig zu 
machen; er verkehrte in Wien viel insgeheim mit demselben, 
begleitete ihn sogar nach Dresden, man zeigte dem Kurfürsten 
einen angeblichen Brief seines Vaters an den Kaiser, in welchem 
dieser die Absicht zur katholischen Kirche überzutreten und den 
Katholiken freie Religionsübung in seinem Lande zu verstatten 
aussprach:). Und offenbar kam diesen Bestrebungen die Per- 
sönlichkeit des Kurfürsten auf halbem Wege entgegen. Seine 
stark ausgeprägte Sinnlichkeit fühlte sich in demselben Maße 
von der laxen Moral der Jesuiten angezogen, wie von dem 
dürren Dogma seiner eigenen Kirche abgestoßen, und selbst der 
Prunk des katholischen Kultus harmonirte mit seiner Pracht- 
liebe ganz anders als die Nüchternheit des protestantischen. 
Soviel aber steht außer Zweifel, daß die Begierde nach der 
poluischen Krone den entscheidenden Entschluß herbeiführte und 
nicht minder gewiß ist, daß innere Glaubenswärme nicht den 
1) Seit 1706 Erzbischof von Grau und Cardinal. 
2) Theiner, Geschichte der Zurückkehr der Häuser Braunschweig 
und Sachsen in den Schooß der katholischen Kirche (1843), S. 103 ff. 
Gegen dessen tendenziöse und an zahlreichen Unrichtigkeiten leidende Dar- 
siellung ist zu vergleichen: Soldan, Dreißig Jahre des Proselytismus 
in Sachsen und Braunschweig (1845).
	        
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