Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Polnische Königswahl. 807 
geringsten Antheil daran hatte. Auch nicht wie ein Heinrich IV. 
um eines großen, allgemeinen Interesses willen brachte August 
den Glauben seiner Väter zum Opfer, sondern er verschleuderte 
ihn aus den gemeinsten und eigennützigsten Beweggründen!). 
Auf den durch Flemming erhaltenen Bericht legte er am 1. 
Juni 1697 zu Baden bei Wien insgeheim — selbst der 
katholische Nuntius wußte nicht darum — in die Hände des 
Bischofs von Naab das Glaubensbekenntulß der katholischen 
Kirche ab. 
Reichlich mit Geld versehen eilte Flemming in Begleitung 
des Geheimenraths v. Beichling wieder nach Warschau; der 
Kurfürst hatte bei den Jesuiten in Wien Juwelen, eine Million 
an Werth, deponirt, damit diese durch ihre Ordensgenossen in 
Polen die Magnaten zu einstweiliger Entschüdigung des fran- 
zösischen Gesandten veranlassen sollten. Allein dieser hatte die 
Zwischenzeit trefflich benutzt die französische Partei von neuem 
zu befestigen, obgleich er dabei fortfuhr Flemming mit Freund- 
schaftsversicherungen zu täuschen, und es würde ihm wahr- 
scheinlich doch noch gelungen sein, alle Anstrengungen des letzteren 
zu vereiteln und die Erhebung des Prinzen Conti durchzusetzen, 
für den sich schon am 15./25. Juni noch vor Proklamirung 
der Bewerber über zwei Drittel der zur Wahl versammelten 
Edelleute leidenschaftlich erklärten, während die Gegner sich noch 
nicht einmal über einen Candidaten einigen konnten, hätte nicht 
der Primas, von dem Wunsche beseelt eine Spaltung zu ver- 
meiden und eine einstimmige Wahl, wie sie die Constitution 
vorschrieb, zu erzielen, den Wahlact auf den folgenden Tag 
verschoben: Zeit genug für Flemming und Przebendowski, um 
1) v. Loen, Kleine Schriften (1749) I1, 188: „August, sagt man, 
hat die Religion veräudert! Ich würde es zugeben, wenn ich gewiß wühßte, 
daß er zuvor eine gehabt hätte .. . Angust hatte, als er zur römischen 
Kirche Uberging, eigentlich noch keinc Religion, man kann also nicht von 
ihm sagen, daß er die seinige verändert habe; er nahm nur eine an. 
Wie eifrig aber er sich darin erzeiget, lehrct unter anderm das Exempel 
mit seinem großen Hund, dem er den Nosenkranz um den Hals hing, 
da ihn sein Beichtvater erinnerte, der Messe mit beizuwohnen.“ 
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