Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

808 Kurfürst Friedrich Auguß I. 
eine sächsische Partei zu organisiren. Als der Primas am 
16./26. Juli die Namen der Bewerber proclamirte, naunte er 
zwar zuletzt auch den des Kurfürsten von Sachsen, doch mit 
dem Bemerken, daß er als Protestaunt nicht in Betracht komme. 
Aber Przebendowski brachte das Attestat von des Kurfürsten 
Übertritt bei, von ihm gewonnen riefen einige Abtheilungen 
den Namen desselben, in der Stadt arbeiteten der päpstliche 
Nuntius, obgleich ihn Rücksicht auf Frankreich behutsam zu 
verfahren nöthigte, der kaiserliche und der brandenburgische 
Gesandte Conti's Wahl entgegen, der Bischof von Cujavien, 
der Krongroßfeldherr Jablonowski, der allein durch 25000 
Species bestochen war, Potocki und der Castellan von Wilna, 
Sluszka, traten an die Spitze einer sächsischen Partei, und da 
Flemming nicht säumte, 40000 noch rechtzeitig am Abend ein- 
getroffene Thaler geeigneten Orts zu verwenden, so konnte es 
Beichling wagen, am 17./27. Jumi mit der förmlichen Wer- 
bung im Namen seines Herrn hervorzutreten. Die Spaltung, 
welche hatte vermieden werden sollen, war entschieden; schon 
drohte nach vergeblichen Unterhandlungen der Kampf auszu- 
brechen, als Abends 6 Uhr der Primas in aller Eile den 
Prinzen Conti proclamirte. Kaum aber war er mit seinem 
Anhange in die Stadt gezogen, um in der Kirche das Te 
Deum zu singen, als der Bischof von Cujavien an der Spitze 
der Zurückgebliebenen den Kurfürsien von Sachsen ausrief und, 
wie es das Herkommen forderte, auf dem Wahlfelde selbst das 
Te Deum anstimmte. Nasch wuchs unnn die kleine sächsische 
Partei, die an der Nähe ihres Erwählten einen viel nachdrück- 
licheren Rückhalt besaß als die Gegner an dem fernen fran- 
zösischen Prinzen. Denn auf die Nachricht von der Wahl war 
Friedrich August sogleich von Dresden aufgebrochen, um sich 
gefolgt von 8000 Sachsen über Breslau, wo er bei den Je- 
suiten die Messe hörte, nach Tarnowitz zu begeben, wo ihn 
der Woywode von Volhynien Jablonowski mit mehr als 
1000 Edelleuten glückwünschend empfing. Von da zog er 
nach Krakan, dessen Schloß die Bestechung des Grafen Wielo- 
polski öffnete, daselbst sich und seine Anhänger an dem Schau-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.