Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

810 Kurfürst Friedrich August I. 
und als Flemming, um ihn zu überraschen, mit etlichen tausend 
Reitern herbeieilte, zog er vor die Anker wieder zu lichten, 
von dem eigenen französischen Cabinet im Stiche gelassen, dem 
es schließlich durchaus nicht unerwünscht sein mochte, Sachsen 
in Polen beschäftigt und dadurch in den bevorstehenden politischen 
Verwicklungen von der Unterstützung des Kaisers abgehalten 
zu sehen. Am 15. Jannar 1698 hielt August seinen glänzen= 
den Einzug in Warschau. Flemmings Klugheit im Verein 
mit der Freigebigkelt seines Herrn, der Geld mit vollen Händen 
streute, und mit der Drohung des Czaren Peter, August mit 
Waffengewalt unterstützen zu wollen, bewirkte, daß bis zum 
Mai allmählich die Häupter der Gegenpartei sich unterwarfen; 
auch der Primas fügte sich, der Handel wurde mit der Ca- 
stellanin v. Lowicz, der Dame seines Herzens, in Diamanten 
geschlossen; die Gemahlin des Großkronschatzmeisters Lubomirski 
erhielt 20000 Ducaten, selbst der Wittwe Johann Sobieski's 
und ihrem Sohn Jacob hatte der zum Geben stets bereite 
Kurfürst für ihre angeblichen Vervienste um seine Wahl 380000 
Thaler zugesichert ½). 
Die Geschicklichkeit, mit welcher Flemming die von Polignac 
beabsichtigte Erhebung eines französischen Prinzen auf den 
polnischen Thron zu nichte machte, entfernte von Deutschland 
eine große Gefahr, indem sie verhütete, daß das franzö- 
sische Uebergewicht, durch das es von Westen her so schwer 
bedroht war, sich nicht auch an seiner Ostgrenze festsetzte; nur 
thäte man Unrecht, Flemming und August dem Starken daraus 
ein Verdienst machen zu wollen. Nicht höhere staatsmännische 
oder patriotische Rücksichten sondern lediglich persönliche Eitel- 
keit war der Bewengrund, dem ihre Handlungsweise entsprang, 
und der Leichtsinn, mit dem der neue König von Polen sich 
1) „Poor Prince!“ ruft Lord Lexington über ihn aus, „I pity him 
with all my heart, for he is in the hands of people that seek only 
to make a prey of him, withont a friend, or a man of either honesty, 
honour or experience about hin; but when a man quits his religion 
for a . little interest, what can he otherwise expect?“ Lexrington pa- 
pers, p. 314.
	        
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