320 Kurfürst Friedrich August I.
gesetzten Seite gezogen wurde, Schwedens verhaßtes Dominium
über das baltische Meer zu brechen, so ist doch selten ein Krieg
unter nichtigerem Vorwande herbeigezogen, mit frevelhafterem
Leichtsinn begonnen und mit größerem Unverstande geführt
worden als dieser nordische von Seiten Augusts des Starken.
Der unreife und eitle Wunsch, durch Eroberung Lievlands sich
auf seinem Throne zu befestigen und seine sächsischen Truppen,
deren Entfernung nach Beendigung des Türkenkriegs (Juli
1698) der Reichstag verlangte, in Polen behalten zu können,
verblendete ihn darüber, daß er in Wirklichkeit nur Anderen
zum Werkzeuge diente, hier Rußland für die Gewinnung der
Ostseeküste, dort Dänemark für die Unterdrückung von Karls XII.
Schwager, des Herzogs von Holstein-Gottorp. Die Seele
der sächsischen Plane gegen Schweden war allerdings nicht der
König selbst, dem seine Vergnügungssucht keine Zeit zu poli-
tischen Entwürfen ließ, sondern Flemming und der Lievländer
Johann Neinhold v. Patkul, der für die Freimüthigkeit, mit
der er zu Stockholm seines Vaterlandes Freiheiten vertheidigte,
zum Tode verurtheilt, der Execution durch die Flucht entgangen
und durch seinen Landsmann Paykul an Flemming empfohlen
worden war, ein Mann voll Geist und Unabhängigkeitssiun
aber auch voll Leidenschaft und vor allem von glühender Nach-
sucht gegen Schweden beseelt 1). Flemming lieh seinen Vor-
1) Das Manuscript: „Carncteres de ln GCour de Pologne“ neunt ihn
„ un des plus grands génies du sioche; c'est dommage qu’il deéfend
une mauvaine cause. Muis à Dexuminer de pres, il ne vuloit rien, et
est tout-à-fait contmiro aux veritables interets Iu Roi. (lur l’samitic
du Roi de Suede lui aurait 6é prélrable à tontes les conductes uu’il
uurait pu faire sur lui. I1 uest pus intercesc, mais il a Leaucoup #le:
penchant pour la mollesse et aux voluptn. I# haine et la vengeance
contre le Roi de Suc##ce lui ont tuit prendre la résolution de le dée-
pouiller de la Livonic, et Torigine vient de I’amour et de la jalousie
Gui regnoit entre lui et le gouverneur, le Comte de Hastfer, alors;
autrement ses Véritahles sentimens sont républicains et tendent plutöt
à diminuer du’s augmenter la puissance du Prince.“ Förstera. a. O.,
S. 351 ff. Vergl. über ihn Nordberg, Histoire de Charles XII
(1792), t. I, p. 52.