1702
8241 Kurfürst Friedrich August J.
tigkeit des Primas bahnten ihm den Weg. Umsonst hatte
Angust seine sächsischen Truppen bis auf 6000 Mann mit der
Erklärung heimgeschickt, sich fortan allein auf den Beistand und
Schutz der Polen verlassen zu wollen, sie blieben taub. Karl XII.
aber wies die Vermittlung Wilhelms III. von England ebenso
zurück wie Augusts Friedensanträge, zu deren liberbringung
sich die schwedische Gräfin Aurora von Königsmark, um die in
Schweden gelegenen Güter ihres Schwagers Löwenhaupt zu
retten, ihrem ungetreuen Liebhaber erboten hatte: der ungalante
Karl XlII. ließ sie, Januar 1702, in seinem Hauptquartier
zu Würzau gar nicht vor sich; Graf Piper wies sie ab. Der
ihr zu gleichem Zwecke nachgesandte Graf Vitzthum wurde sogar
verhaftet, die ihm abgenommenen und von Karl veröffentlichten
Papiere dienten dazu, den Polen Augusts Doppelzüngigkeit
zu enthüllen und ihr geringes Zutrauen zu ihm noch mehr zu
untergraben 1). Einer polnischen Gesandtschaft erklärte Karl,
er wolle sie zu Warschau hören ?).
Wahrscheinlich hatte sich August mit seinem gewohnten
Leichtsinn von diesen Bemühungen, durch welche Karl XII.
vom Einbruch in Polen abgehalten werden sollte, einen besseren
Erfolg versprochen oder überhaupt denselben nicht für so nahe
bevorstehend gehalten; es wäre sonst unbegreiflich, wie er um
die nämliche Zeit, 16. Jannar 1702, als Kurfürst mit dem
Kaiser einen Allianztractat auf zehn Jahre abschließen konnte,
durch welchen er nicht nur zur Errichtung der neunten Kur-
würde und der Wiederaufnahme Böhmens in das Kurcollegium
seine Zustimmung gab, sondern auch außer seinem Reichs-
contingent gegen jährliche 200000 Thaler 8000 Mann zum
Kriege gegen Frankreich zu stellen versprach und sich des Kaisers
Verwendung ausbedang, um an England und Holland 12000
Sachsen gegen gute Bezahlung zu vermiethen; auch versprach
1) Schulenburg 1, 94f . Über die Königsmart s. Nordbertg
I, 204.
2) Stover, Unser Jahrhundert (1791) I. 99 aus Couset t#o
Reise.