Erneuerte Theilunahme am nordischen Kriege. 101
Stralsund, welches sich, durch die zweckmäßigen Anstalten des
sächsischen Generals von Wackerbarth und des unter ihm
commandirenden r. Seckendorf seiner Außenwerke beraubt, trotz
der trefflichen von Karl persönlich geleiteten Vertheidigung am
23. December 1715 ergeben mußte 1). Bald nachher fiel
Wismar. Preußen und Hannover erlangten, wonach sie ge-
strebt hatten, jenes nämlich Stettin und die Odermündungen,
dieses Bremen und Verden; August, dem die Zerrüttung Polens
die Hände band, erhielt als ganzen Antheil an der Beute etwas
über tausend schwedische Gefangene, einige Kanonen, Fahnen,
Pauken und Trommeln! Das waren die Trophäen so großer
Anstrengungen in einer ungerechten Sache.
Denn die Polen, weit entfernt ihren König im Kriege
gegen Schweden zu unterstützen, bestürmten ihn unter dem
Vorwande, daß die Gegenwart der sächsischen so gut wie der
russischen Truppen nicht bloß lästig, sondern ungesetzlich und
der Freiheit gefährlich sei, um deren Entfernung aus dem
Lande, haderten auf den Reichstagen bald mit ihm, bald
untereinander und füllten das Land mit Gewaltthaten. August
selbst wäre fast das Opfer einer von dem Starosten Jablo-
nowski angezettelten Verschwörung geworden. Die Partei des
Stanislaus war, obgleich dieser sich nach Zweibrücken zurück-
gezogen hatte, seit Karls Rückkehr wieder gewachsen; schon
hatten zwischen Sachsen und Polen blutige Zusammenstöße
stattgefunden und als August forderte, daß der Kronarmee
12000 Sachsen zugetheilt und von Polen verpflegt werden
sollten, empörte sich dieselbe und schlug sich auf die Seite der
zu Tarnogrod geschlossenen Conföderation. Im October 1715
brach zwischen Polen und Sachsen ein erbitterter Kampf aus),
jene begingen unmenschliche Grausamkeiten, hieben u. a. neun
sächsischen Offizieren Hände und Füße ab, wofür Flemming,
der Mühe hatte sich zu halten, die gefangenen Insurgenten
—
1) Faßmann u. Horn, S. 667—690. Hojer 1, 29/ ff.
2) Faßmann, S. 698—719. Iengnich, llistorin Polonn
(1740), p. 335.
1715