Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

386 Inneres 1697—1733. 
der vielen sächsischen Producten wieder freien Absatz verschaffte; 
wie sich schon 1677 Spuren einer Commercienaufsicht finden, 
so dachte man 1710 an Errichtung eines Manufacturdirecto- 
riums; ein Antrag des Kurfürsten (1725) zu einer stehenden 
Deputation für Handel und Gewerbe „als das edelste Kleinod 
einer wohleingerichteten Regimentsverfassung“, welche aus Mit- 
gliedern anderer Collegien ohne weitere Besoldung bestehen und 
bloß 3000 Thaler jährlich von den Ständen Zuschuß erhalten 
sollte, stieß jedoch bei diesen auf so viele Bedenken, daß die 
Sache unterblieb. 
Nebenbei verschmähte jedoch Friedrich August, der stets 
mehr Geld brauchte, als er einnahm, nicht, sich mit Schwarz- 
künstlern, Adepten und Goldmachern einzulassen, deren Ver- 
schmitztheit damals so vieler fürstlichen Personen Habsucht und 
Leichtgläubigkeit, freilich meist sich zum eigenen Verderben, als 
Opfer erkor 1). Zufall und das Zusammentreffen günstiger 
Umstände führten hierbei zur Erfiudung des sächsischen Por- 
cellans durch Johann Friedrich Böttger aus Schleiz, einen be- 
gabten aber wüsten und nichtsnutzigen Menschen, seines Zeichens 
Apotheker, dem, nachdem er sich einmal in Berlin in den Ruf 
eines Adepten hineingelogen, auch nach seiner Flucht nach Wit- 
tenberg nichts übrig blieb als diese Rolle weiter zu spielen. 
Statt ihn an Preußen auszuliefern wurde er nach Dresden 
gebracht, um hier unter Aufsicht des dem Statthalter befreun- 
deten Physikers v. Tschirnhaus, der nicht nur einige Glas- 
hütten in Sachsen angelegt, sondern auch bereits ein nur zu 
glasartiges Porcellan erfunden hatte, seine Goldmacherversuche 
fortzusetzen, und unter dessen Anleitung fand Böttger, nachdem 
ein Fluchtversuch ihm mißlungen war, in dem Laboratorium 
auf der Jungfernbastei zu Dresden statt des Goldes ein braunes 
Porcellan, welches das tschirnhausesche bei weitem übertraf. 
Theils seines Leichtsinnes, theils der Wichtigkeit seiner Erfindung 
wegen ängstlich überwacht, im librigen aber mit allen Genüssen 
1) Vergl. z. B. über die Schatzgräberei des Herzogs Moritz Wilhelm 
von Sachsen= Zeiz: Archiv f. sächs. Gesch. V, 420 ff.
	        
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