Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Wissenschaften. 380 
in der Wissenschaft geachteten Namen, z. B. den Anatomen Abr. 
Vater, der es zuerst dahin brachte, daß exequirte Delinquenten 
seinem anatomischen Messer geliefert werden mußten, und auch 
für ein gebildetes weibliches Publikum Vorlesungen hielt, den 
Astronomen Weidler, den Mathematiker Matthias Hase, der 
die von de l'Isle begonnene Reform der Kartographie mit 
Glück fortsetzte, und Sam. Chr. Hollmann, der die leibnitzische 
Philosophie zuerst hierher verpflanzte; im ganzen blieb es 
jedoch in allgemein wissenschaftlicher Bedeutung unverkennbar 
hinter Leipzig zurück, wo zwar die steifen Formen der mittel- 
alterlichen Verfassung in streng behüteter Unantastbarkeit fort- 
dauerten und die Gelehrtenzunft in der Fülle ihres Selbstge- 
fühls der Pflege ihrer Privilegien mit nicht geringerem Eifer 
als der der Wissenschaften oblag, wie denn Burkh. Mencke es 
noch 1715 dahin brachte, daß die Stadtsoldaten vor dem 
Nector Magnificus das Gewehr präsentiren mußten, wo aber 
doch daneben, begünstigt durch die manichfachen auregend wir- 
kenden Factoren, die freiere Geistesrichtung viel eher Boden 
gewann. Für verschiedene Fächer wurden hier neue Lehrstühle 
gegründet. Wie vorwiegend enchklopädischen Charakters und wie 
weit noch von dem Grungsatze der Theilung der Arbeit ent- 
fernt damals dic wissenschaftliche Thätigkeit war, läßt sich aus 
der sogar noch viel später beibehaltenen Einrichtung abnehmen, 
daß die Universitätslehrer nach einer gewissen durch Gehalt und 
Rang bedingten Stufenfolge allmählich durch die verschiedenen 
Professuren einer Facultät, bisweilen sogar aus einer Facultät 
in die andere aufrückten, so daß der Einzelne bei eintretenden 
Personalveränderungen in den Fall kam, ganz andere Disci- 
plinen als die, denen er sich bisher gewidmet hatte, vortragen 
zu müssen. Vorzugsweise von Vornehmen besucht kam Leipzig 
mehr und mehr in den Ruf galanter Lebensart, wenn schon 
noch kurfürstliche Rescripte den Studenten das öffeutliche Um- 
hergehen in Schlafröcken, Nachtmützen und mit brennender Ta- 
bakspfeife untersagen mußten 1). Eine bedeutende Zahl viel- 
1) Eine 1704 auf das Studentenleben in Leipzig, Wittenberg und 
Jena geschlagene Münze zeigt den leipziger Studenten in der Mitte mit
	        
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