892 Inneres 1697—1733.
diesem Amte, W. E. Tentzel, der angeblich nach seines Gön-
ners, des Großkanzlers v. Beichlingen Sturze ebenfalls in
Ungnade fiel, weil er dessen Stammbaum von Wittekind ab-
geleitet hatte, bearbeitete die Numismatik. Dieses letztere Fach,
welchem auch das collegium heraldicum unter Prof. Trier
gewidmet war, erfreute sich gleich der Heraldik und der Ge-
nealogie, welche letztere von den beiden lausitzer Brüdern
Christ. und Joh. Hübner angebaut wurde, damals der be-
sonderen Gunst der vornehmen Welt, für welche auch Königs
Adelslexikon (1727) berechnet war. Ein tieferes Interesse für
die Wissenschaft wohnte weder dem Kurfürsten selbst noch seinen
Umgebungen inne; daher ernstere Bestrebungen auf diesem
Gebiete wie die von Tschirnhaus betriebene Stiftung einer
Académie des sciences zu Leipzig nach dem Vorbilde der
französischen, welche der schwedische Einfall verhinderte, nicht
nachhaltig verfolgt wurden 1); dagegen wucherte auch in Sachsen
eine Memoirenliteratur auf, die an Skandalsucht und Unzu-
verlässigkeit ihren französischen Vorbildern nacheiferte, wofür
des Barons v. Pöllnitz Saxe galante, die Memoiren Haxt-
hausens und die öfter erwähnten Caracteères de la Cour de
Pologne die Belege geben. Wohl aber fing Gönnerschaft gegen
die Literatur an, ganz entsprechend dem in diesen Kreisen herr-
schenden Epikuräismus, zu den nobeln Passionen zu gehören.
Flemming, Graf Hoym der ältere, Wackerbarth, Watzdorf
legten sich schöne Bibliotheken an; später wurden diese zum
Theil für die kurfürstliche Bibliothek erworben, welche sich
unter August dem Starken auch durch die von Herzog Moritz
Wilhelm von Sachsen-Zeiz hinterlassene Sammlung und durch
den Ankauf der 17000 Bände des Herrn v. Besser ver-
mehrte.
Insofern Wissenschaften und Künste den Genuß des Lebens
zu erhöhen geeignet sind, fanden sie auch an Angust dem Starken
einen Gönner. Weil es seine Eitelkeit reizte durch Schau-
stellung seltener und glänzender Kostbarkeiten alle andern Für-
1) Weißenborn, Tschiruhaus' Leben, S. 201.