Friede zu Breslau. 42
Furcht und Scham schwankend, auch noch so ungeberdig sträuben
einem von andern Mächten abgeschlossenen Vertrage beizutreten,
es blieb ihm doch nichts übrig als den ihm unter der Be-
dingung, daß es binnen sechszehn Tagen nach erhaltener Anzeige
seine Truppen aus Böhmen zurückrufe, vorbehaltenen Beitritt
zu vollziehen, aber statt der in Aussicht genommenen Entschä-
digung durch angrenzende Theile Böhmens war trotz der be-
weglichen Wehklagen Brühls nichts zu erlangen als ein sehr
unbestimmtes Versprechen Osterreichs, Sachsen womsglich zur
Erwerbung von Erfurt zu verhelfen. Der Krieg endigte, wie
er geführt worden war, ohne Ehre und ohne Gewinn; man
mußte sich endlich, 11. September, zum Austausch der am
23. Juli österreichischer -, am 28. August sächsischerseits unter-
zeichneten Declarationen entschließen ).
Von diesem Zeitpunkte au lenkte die sächsische Politik in
eine Preußen entschieden feindselige Richtung ein und Unschädlich-
machung des gefährlichen Nachbars selbst bis zur Zerstückelung
seines Staates wurde ihr oberster Grundsatz, den namentlich
Brühl, obendrein von persönlichem Hasse gegen Friedrich den
Großen glühend, mit Zähigkeit, aber doch ohne Klugheit und
Muth, versteckt und doch unvorsichtig und daher schließlich auch
nur zu Sachsens eigenem Unheil verfolgte. Bereits in jenen
Declarationen war ein binnen vier Wochen abzuschließendes
Bündniß zwischen Österreich und Sachsen in Aussicht genommen.
Da aber Maria Theresia sich gegen des letzteren Begehren,
welche insbesondere Abtretungen in Böhmen, Erfurt, die Ober-
herrlichkeit über Schwarzburg, Reuß und Schönburg und die
Königswürde betrafen, trotz deren Befürwortung durch England
sehr spröde zeigte und zwar Sachsens Beistand gegen Frankreich
gern gewonnen hätte, aber für jetzt keineswegs gesonnen war
sich durch dasselbe in einen neuen Krieg mit Preußen hinein-
treiben zu lassen, so zogen sich die Verhandlungen in die Länge.
Erst nachdem Oesterreich am 13. September 1743 zu Worms ½
1) Wenck I. c. I. p. 734 sd. 717 su. — Über das Folgende wgl.
A. Schäfer, Graf Brühl und Friedrich d. Große in v. Sybel, Histor.
Zeitschrift XV (1866), S. 123 f.