Ausbruch des siebenjährigen Krieges. 463
Mai 1756 um weitere 2000 Mann vermirert, zu denen die
Zahl von 268 Generalen und Stabsoffizieren außer allem
Verhältniß stand; selbst die 1734 errichteten vier Regimenter
Landmiliz, zusammen 8000 Mann, welche man aus den
Männern vom 18. bis 35. Jahre ausloste, wurde wieder auf-
gelöst. Aber selbst diesem kleinen Heere mangelte es so sehr
am Nöthigsten, daß Rutowski erklärte, er müsse sich schämen
sich vor jemand mit demselben sehen zu lassen; es fehlte an
Munition, an Pferden, an Montirungen, die Festungen ver-
fielen. Damit die alten ausgedienten Invaliden nicht verhunger-
ten, ließ sie der Feldmarschall in den Listen fortführen, ver-
hinderte aber dadurch die Kapitäns, an ihre Stelle neue tüch-
lige Leute einzustellen; auf seine Klagen erfolgte die Antwort:
„die Obersteuereinnahme sei ein= für allemal befehligt, die ver-
langten Rückstände auf die Jahre 1748 und 1749, sowie cs
die currenten Militärbedürfnisse verstatteten, nach und nach
abzuführen, gewisse Termine hierzu aber zu bestimmen, wäre
dermalen unmöglich“, und noch 1754 waren diese Schulden
au die Armee nicht ganz getilgt 1).
Die Folge dieser heillosen Zustände war, daß der Ausbruch
des siebenjährigen Krieges Sachsen ganz ungerüstet fand.
6. Sachsen vom Ausbruch des siebenjährigen Krieges bis zum Tode
König Augufsis III., 1756—1768.
Anfang Juni 1756 erhielt das sächsische Kabinet dic erste
Kunde von preußischen Truppenzusammenziehungen; obgleich
man das Ziel derselben nicht kannte, so begann man doch zu
fürchten, daß die Preußen den Durchzug nach Böhmen durch
Sachsen nehmen würden. Bereits am 8. Juni wies ein von
Rutowski dem Künig übergebenes Promemoria darauf hin, daß
man mit dem schwachen und in jeder Weise heruntergekommenen
Heerc nicht daran denken könne einen Feind zurückzuweisen, und
rieth, es im Fall eines prenßischen Angriffs wenigstens mit dem
Nothwendigsten versehen in einer festen Stellung bei Pirna zu
1) Aster, Kriegsereignisse, S. 18 ff.
1756