Friedrichs Einbruch in Sachsen. 469
Wahlkapitulation schnurstracks entgegenlief. Nachdem der Könlg
in Wien die Erlaubniß zum Durchzug nachgesucht und die Re-
gierungsgeschäfte für die Dauer seiner Abwesenheit dem Ge-
heimenrathe unter Vorsitz des Grafen Wackerbarth übertragen
hatte, begab er sich am 3. September in Begleitung der Prinzen
Aaver und Karl, während die übrige königliche Familie in
Dresden zurückblieb, in das Lager nach Struppen. Hier aber
versiel man aufs neue in die größte Unschlüssigkeit. Die Ge-
nerale wollten nichts davon wissen die einmal gewählte feste
Stellung so ohne weiteres aufzugeben, was bei dem elenden
Zustande des Fuhrwesens zugleich den Verlust der Artillerie
und ihrer Equipagen bedeutet hätte. Schon saß der König am
4. September im Wagen, um nach Böhmen aufzubrechen — die
königlichen Equipagen waren dahin vorausgegangen —, alles zum
Aufbruch bereit, als das Erscheinen etlicher preußischer Husaren
und eine Meldung des russischen Gesandten, daß Rußland
Truppen gegen die preußische Grenze dirigiren werde, Sachsen
möge nur standhaft ausharren, ihn zu bleiben bestimmte; man
legte die Hände in den Schoß und steifte sich eigensinnig auf
die Hoffnung, Friedrich werde die geforderte Neutralität doch
noch zugestehen, bis dessen rundweg abschlägliche Antwort von
diesem Wahne zu lassen zwang. Damit ketrachtete der Ge--
heimerath die Verhandlungen als abgebrochen, den Kriegszustand
zwischen Sachsen und Preußen, obgleich noch immer keine
Kriegserklärung erfolgt war, als thatsächlich eingetreten und
erließ Requisitionsschreiben an den Kaiser, Frankreich und
Schweden als Garanten des westfälischen Friedens.
Am 9. September hatte Friedrich Dresden besetzt, er
nahm sein Qnartier im moschuskischen Palais, enthob die
Konferenzminister ihrer Functionen, ließ die Königin begrüßen
und gestattete ihr die Beibehaltung der Schweizergarde im
Imnnern des Schlosses. Seine nächste Handlung war, sich des
geheimen Kabinets zu versichern, um in den Besitz von den
Originalen der Aktenstücke zu gelangen, deren Abschriften er
durch Menzel besaß, damit sächsischerseits die Authenticität der-
selben nicht abgeleugnet werden könne. Die Königin verstand