Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

472 Der siebenjährige Krieg. 
vorübergehen. Daß also die Sachsen bei Pirna ausharrten, 
geschah weder auf Anrathen Osterreichs noch in der Absicht, 
Friedrich dadurch vom Einbruch in Böhmen zurückzuhalten, 
sondern war nur eine Folge der Rathlosigkeit. Unfähig sich 
zu einer männlichen That aufzuraffen kam der Kriegsrath zu 
dem kläglichen Beschluß, dem Könige von Preußen nochmals 
vorzustellen, daß Sachsen seine Absicht neutral zu bleiben ge— 
nugsam gezeigt habe und dem Marsch des Königs nichts in 
den Weg legen wolle; wenn dieser Pas nichts fruchte, so werde 
er den König wenigstens bei der ganzen Welt in tort setzen! 
Aber Friedrich wiederholte dem Uberbringer dieser Botschaft, 
Generalleutnant v. Bellegarde, nur seine frühere Weigerung 
Sachsen die Neutralität zuzugestehen 1) und wies selbst das 
Anerbieten, ihm, wenn er das übrige Land räumen wolle, 
Wittenberg, Torgau und Pirna für die Dauer des Kriegs einzu- 
räumen, damit die Preußen die Elbe in ihrer Gewalt behielten, 
zurück; die einzige Bedingung sei, daß die sächsische Armee sich 
mit der preußischen vereinige, um den herrschsüchtigen Absichten 
des Hauses Osterreich zu widerstehen. Mit dieser Antwort 
erschien am 14ten Winterfeld bei dem Könige von Polen und 
legte ihm zugleich aus den Papieren des dresdner Archivs den 
Beweis von Brühls Umtrieben vor, während seine zwölf Be- 
gleiter Muße hatten, sich das Innere des sächsischen Lagers zu 
besehen ). Da aber August diesen Antrag bestimmt zurück- 
wies, so verweigerte ihm auch Friedrich die Pässe, um sich zur 
Eröffnung des Reichstags nach Polen begeben zu können, bevor 
nicht die Unterhaudlungen zu einem befriedigenden Abschluß 
1) Friedrich glaubte, Bellegarde komme wegen der Kaplinlation; auf 
seine Frage, ob sich die Sachsen ergeben wollten, antwortete dieser: „Sire, 
le camp Sazron ne renferme pas des coquins.“ Geheimnisse II, 66. 
2) Brühl legte seinem Könige eine entschiedene Unwahrheit in den 
Mund, wenn er ihn 15. September an Friedrich schreiben ließ:t „Je 
me suis dös les premières apparences de cette guerre fermement pro- 
posé de n'y prendre aucunc part et c'est à cause de cela, que TJ’ai 
refusé toutes les propositions, dui M'ont étö faittes.“ Geheimnisse 
II, 91.
	        
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