Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Schicksal des sächsischen Heeres. 479 
quartiere zu beziehen; der König selbst nahm sein Hauptquartier 
in Dresden. Eine Zeit schwerer Leiden hatte für das arme 
Sachsen begonnen, das sich wie eine eroberte Provinz be- 
handelt sah. Sämtliche Einkünfte mußten allmonatlich an 
das Feldkriegsdirectorium abgeliefert werden, unerschwingliche 
Requisitionen wurden ausgeschrieben, eine mit großer Härte 
vollzogene Aushebung von 12000 Rekruten, die nun nicht 
mehr in geschlossenen Corps beisammengelassen, sondern unter 
die preußischen Truppen vertheilt wurden, sollte die durch die 
Desertionen der Sachsen entstandenen Lücken wieder füllen 1). 
Doch hielten die Preußen im übrigen strenge Mannszucht; nur 
an Brühl übte Friedrich durch Verwüstung von dessen Palais, 
Garten und vustschlössern eine unkönigliche Rache; die Gräfin 
verwies er des Landes. Der kurfürstlichen Familie wurden 
die für ihre Hofbaltung erforderlichen Mittel nicht vorent- 
halten, aber die Gehalte der Landescollegien und Kanzleien von 
190000 auf 30000 Thaler reducirt, das Theater= und Kapell- 
personal größtentheils entlassen; der Hofoperndirector bekam 
statt 15000 nur 2500, Pater Guarini statt 12000 
nur 2000 Thaler Pension. Die mit Beschlag belegten 
Porcellanvorräthe wurden an den Geheimenrath Schimmel- 
mann, den nachherigen däuischen Minister, für 120000 Thaler 
verkauft?). 
1) „die in Höchst-deroselben Dienste getretene ehemalige 
Chur-Sächsische Regimenter zu completieren.“ Natürl. Vor- 
siellung d. Wahrheit m., Beil. 32; vergl. 28. — Jedem Leutnant mußte 
u. a. wöchentlich 1 Klaster, dem Obersicu täglich ½ Klafter Holz geliesert 
werden. Als die Stände die Stellung von Rekruten mit Berufung auf 
den ihrcm Landesherru schuldigen Gehorsam verweigerten, vief Friedrich: 
„Ich bin Landcsherr, solange ich Sachsen in Besitz habe; folglich seid Ihr 
mir Gehorsam schuldig!“ 
2) Dennoch gelang es dem Commercicurath Helbig die Mannfactur 
zu erhalten, indem er nicht ohne große cigene Opser die au Schimmel- 
mann verkauften Waaren für 160000 Thlr. an sich brachte und sodann 
den Betrieb der Fabrik von dem Könige von Preußen gegen einen jähr- 
lichen Pacht von 60000 Thlr. auf eigenes NRisiko übernahm. Wieck, 
Industrielle Zustände Sachsens (1840), S. 282.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.