602 Kurfürst Friedrich August II.
Petersburg als in Warschau den Entschluß des Kurfürsten zu
beschleunigen. So gab denn Friedrich August am 14. Februar
den polnischen Unterhändlern eine bestimmtere Erklärung; er
machte in derselben seine endgiltige Entscheidung von der Zu-
stimmung sämtlicher drei Nachbarmächte zu der Veränderung
der polnischen Verfassung, besonders zu der Erblichkeit des
Thrones, abhängig und bezeichnete als die wesentlichsten Be-
dingungen für die Annahme der Krone: Verstärkung der könig-
lichen Gewalt, namentlich müsse zur Giltigkeit eines Gesetzes
die Sanction des Königs unerläßlich sein und demselben das
Recht zustehen, alle Arten von Tractaten, insbesondere Waffen-
stillstände, mit auswärtigen Staaten abzuschließen, auch die
Erziehung des Thronfolgers ohne Uberwachung durch den
Reichstag zu leiten; in Bezug auf die Erbfolge würde er die
seiner Brüder der seiner Tochter vorziehen; das Heer müsse
dem Könige und der Republik, nicht der Nation schwören; alle
die Constitution betreffenden Punkte müßten auf befriedigende
Art geordnet sein, bevor von Unterhandlung über die Pacta
Conventa bie Rede sein könne; endlich müsse durch letztere festge-
stellt werden, wie sich die Pflichten des Kurfürsten gegen Polen
mit denen gegen seine Erblande vereinigen ließen. Einige nach-
trägliche Bemerkungen der polnischen Commissare beantwortete
der Kurfürst in einer zweiten Note am 3. März, in welcher
er zugleich die Absendung eines außerordentlichen Gesandten
nach Warschau ankündigte, um über einige Punkte, deren Dis-
cussion außerhalb der Vollmachten der Commissare gelegen, die
Ansichten des Königs und der Republik einzuholen.
Diese unzweidentige Kundgebung, die bei der gänzlichen Un-
wahrscheinlichkeit, daß Nußlands Zustimmung je zu erreichen
sein würde, einer Ablehnung gleich kam, paßte in die Pläne
der polnischen Patrioten so schlecht, daß sie, um die Wahrheit
nicht bekannt werden zu lassen, die Note vom 14. Februar
vorläufig ganz unterdrückten, dem Reichstage nur die vom
3. März mittheilten und die vollste Zuversicht zur Schau
trugen, daß der Kurfürst die Krone annehmen werde. Lange
freilich ließ sich diese Täuschung nicht aufrecht erhalten, denn