Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

654 Kurfürst Friedrich August III. 
marschirt, dessen Befestigungen er wiederherstellen ließ, da Na- 
poleon dasselbe zu einem Hauptwaffenplatze ausersehen hatte. 
Nach Dresden entsendete der Kaiser seinen Bruder Jeröme 
mit der bairischen Division Wrede, wohin auch die Baiern 
unter Deroi und die Würtemberger dirigirt wurden. Der zum 
Gouverneur der Stadt ernannte Oberstleutnant Kammerherr 
Thiard war angewiesen, äußerlich, namentlich gegen den Kur- 
fürsten, schonend aufzutreten, in Wirklichkeit aber sich aller in 
Dresden befindlichen Kriegsmittel zu bemächtigen 1). 
Unterdessen war Major Funck, so schnell es die Schwierig= 
keit unterwegs Pferde aufzutreiben erlaubte, aus Jena nach 
Dresden geeilt und dort in dem Augenblicke eingetroffen, als 
der Hof im Begriff stand nach Breslau abzureisen; er fand 
den Kurfürsten gebeugt aber voll jenes Muthes der Ergebung, 
der ihm in viel höherem Maße eigen war, als der des männ- 
lichen Entschlusses. Schon vor Beginn PDes Feldzugs hatte ihm 
Napolcon durch Vermittelung des Fürsten-Primas die War- 
nung ertheilt sein Land nicht zu verlassen und dieselbe war 
nicht ohne Eindruck geblieben; aber auf die Schreckensnachricht 
von der Schlacht bei Jena hatten ihm seine Familie und Graf 
Loß die Zustimmung zur Flucht abgewonnen 1). Funcks Bot- 
schaft nahm ihm eine Centuerlast von der Brust, die Abreise 
unterblieb, die schon gedruckte Abschiedsproklamation wurde 
unterdrückt und die tiefste Bestürzung verwandelte sich urplötzich 
in das behagliche Gefühl die Neutralität wiederzuhaben, ohne 
zu bedenken, daß diese noch gar nicht förmlich zugestanden, son- 
dern nur in jenem Erlasse le Claire's erwähnt, daß wohl von 
General Zezschwitz eine militärische Cowention, nicht aber 
zwischen Sachsen und Frankreich Waffenstillstand geschlossen sei. 
der wittenberger Kreis an Requisitionen liefern mußte, slehe bei Pölid 
I, 327 ff. 
„Beaucoup de formes, beaucoup de procédés, beaucoup d’hon-- 
nétetés; mais en vGalité s'emparer de tout, surtont des moyens de 
guerre sous prcterte, due I’Electeur uen a plus besoin.“ Corresp. 
de Nap. XIII, 388. 
2) Senfft, Mémoires, p. 11.
	        
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