Friedensunterhandlungen zu Berlin 1806. 657
blieben“, wie dies auch dem Sinne der ernestinischen Herzoge,
die sich in dieser bedrohlichen Krisis dem Schutze des Kur-
fürsten empfohlen hatten, ausdrücklich entsprach 1). Der Ge-
danke des sächsischen Sonderbundes wirkte noch nach; nach dem
Zusammenbruch des alten Reichsgebäudes fühlte man das Be-
dürfuiß sich eine neue Behausung zu zimmern und trug nach dem,
wie es schien, rettungslosen Untergange der preußischen Mo-
narchic auch kein Bedenken, die im Laufe der Zeit an diese ab-
gekommenen ehemals sächsischen Besitzungen womöglich wieder-
zuerwerben. Obgleich Bose von Durand die Erklärung erhalten
hatte, Sachsen werde weder etwas verlieren noch etwas ge-
winnen, so stellte er doch Talleyrand vor: da an Sachsen der
Kaiser fortan den treuesten aller seiner Verbündeten haben werde,
und da es den am weitesten vorgeschobenen Posten der großen
Allianz bilde, so sei es in Frankreichs eigenem Interesse, wenn
Sachsens Kraft zum Widerstande gegen seine Nachbarn ver-
stärkt würde; gleichzeitig legte er zur Auswahl ein langes
Verzeichniß von solchen Gebieten vor, auf welche Sachsen ent-
weder Anrechte besaß oder früher besessen hatte und die sich
zu dessen Vergrößerung besonders eignen würden, nämlich das
Herzogthum Magdeburg oder wenigstens Theile des Saal-
kreises, das preußische Manusfeld, das Amt Petersberg, das
Fürstenthum Halberstadt und andere Preußen abzunehmende
Stücke. Der Forder ung, daß Sachsen in Thüringen einen
Streifen Landes zur Verbindung Erfurts mit dem Eichsfelde
abtreten solle, glaubte man am besten durch den Gegenvor-
schlag einer Überlassung Erfurts an Sachsen auszuweichen?).
1) Herzog Franz von Koburg-Saalfeld (starb 9. December) schrieb
an den Kurfürsten am 7. November: „Wir wünschen innig, daß Unser
Schicksal von den künftigen Verhältnissen Dero Churhauses nicht getrennt
werden möge, und versichern im voraus, daß Wir Uns alle die Modi-
flcationen recht gern gefallen lassen wollen, welche die Zeitumstände als
nothwendig sestsetzen.“ Dresduner Archiv.
2) Dazu bemerkt der Kurfürst eigenhändig: „Das Eichsfeld zu
suchen, da ich daran keinen Anspruch habe, würde gegen meinen Grund-
satz nichts Fremdes zu verlangen streiten.“ Dresdner Archiv.
Böttiger, Geschichte Sachsens. 2. Aufl. I. 4