Handel. Schulwesen. 687
wie des ausländischen Buchhandels, die Buchhändlermesse war
„nicht bloßes Abrechnungsgeschäft, sondern ein wahrhafter
großer Schaumarkt der Literatur“. Um auch ihrerseits nach
Kräften zur Beförderung dieses Verkehres beizutragen, räumte
die Regierung den dieselbe besuchenden Buchhändlern die Be-
fugniß ein, eine aus drei sächsischen und sechs auswärtigen
Buchhändlern bestehende Deputation zu ernennen, welche das
gemeinschaftliche Beste des Buchhandels besorgen und mit ihrem
Gutachten von der feit 1687 angeordneten, aus Deputirten
der Universität und des Raths bestehenden Büchercommission
gehört werden sollte. Letztere übte auch, da die keiserliche
Büchercommission in ihrer Ohnmacht nicht gewagt hatte der
Büchermesse nach Leipzig zu folgen, die Censur; sie verfuhr
dabei in milder Weise und hatte damals weniger die Politik,
als die Moral und Religion zu überwachen; ihr erstes voll-
ständiges Regulativ erhielt die Büchercenfur 1779 #).
Daß das im allgemeinen rege gewordene Streben für
Menschenwohl und Menschenveredelung in dem Lande, wo das
Schulwesen von jeher sorgfältigerer Pflege als anderwärts
genoß, vorzugsweise die Richtung auf dieses einschlug, ist nicht
mehr als natürlich. Auch den Armsten suchte man die Wohl-
that des Schulunterrichts zugänglich zu machen; die schon unter
Taver von den Ständen beantragte und demgemäß im Auftrag
der Regierung von Ernesti ausgearbeitete neue Schulordnung
von 1773 3#) schärfte den fleißigen Schulbesuch nachdrücklich ein
und bestimmte das Ziel des Volksschulunterrichts dahin, daß
kein Kind ohne die nöthige Fertigkeit im Lesen und die er-
Forderliche Kenntniß der christlichen Hauptlehren zum Abendmahl
zugelassen werden solle. Da nun aber ein Hauptgebrechen
der Volksschulen darin bestand, daß es der großen Mehrzahl
der Lehrer an jeder geregelten Vorbildung zu ihrem Berufe
fehlte, so stellte sich das dringende Bedürfniß nach tlüchtig ge-
schulten rehrern heraus. Nur hie und da hatte es sich bisher
1) Cod. Ang. Cont. II. 1. p. 39 u. 47.
2) Cod. Aug. Cont. II, 1. p. 67.