Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

688 Inneres 1768—1806. 
ein Pfarrer zum freiwilligen Nebenberufe gemacht, junge Leute 
für das Lehramt vorzubereiten, wie dies insbesondere G. F. 
Dinter, Pastor zu Kitscher bei Borna, zehn Jahre lang mit 
seltener Unverdrossenheit that. Im Jahre 1788 trat zu 
Friedrichsstadt-Dresden das erste öffentliche Schullehrerseminar 
ins Leben, dessen Director 1797 Dinter wurde, ein zweites 
1794 zu Weißenfels; neben diesen bestanden Privatseminarien 
zu Freiberg, Plauen, Zwickau, Zeiz, Luckau und Glauchau, die 
später zum Theil ebenfalls öffentlich wurden. Zum erstenmale 
erkannte jetzt der Staat die Pflicht au, zu den Kosten des 
öffentlichen Unterrichtes beizutragen, indem die Stände im 
Jahre 1805 zu Gehaltverbesserungen der Schullehrer, von 
denen 622 unter 80 Thaler, 191 unter 100 Thaler Gehalt 
hatten, ein Kapital von 10000 Thalern und auf die nächsten 
sechs Jahre je 1000 Thaler bewilligten, wozu noch weitere 
Unterstützungen von Seiten der Regierung, des Kurfürsten und 
der Kollatoren kamen. Zu demselben Jahre orduete das Mandat 
vom 4. März, da Ernesti's Schulordnung vorzugsweise die 
Gelehrtenschulen ins Auge faßte, das Detail der Volksschul- 
verhältnisse in der Weise, wie sie seitdem im allgemeinen ein 
Menschenalter hindurch bestanden haben. Die Erkenntniß, daß 
die lateinischen Schulen, früher der Stolz der Städte, theils 
ihrer Natur, theils ihren beschränkten Mitteln nach dem in 
weiteren Kreisen erwachten Bedürfnisse nach Bildung nicht ge- 
nügten, führte zur Errichtung von Bürgerschulen, von deuen 
die erste 1803 in Neustadt-Dresden, die zweite im folgenden 
Jahre durch die Bemühung des hochverdienten Bürgermeisters 
Kriegsrath Müller in Leipzig unter Gedike's Leitung entstand. 
Ebendaselbst begründete Sam. Heinike im Jahre 1778 das 
erste Taubstummeninstitut Deutschlands. Den innigsten Dank 
vieler tausend Eltern= und Kinderherzen erwarb sich Chr. F. 
Weiße mit seinem ABC-Buch und seinem Kinderfreund, durch 
welche er, nachdem er an seinen eigenen Kindern das Bedürfniß 
nach einer zweckmäßigeren Geistesnahrung für die Jugend er- 
fahren hatte, der Reformator der häuslichen Erziehung in ähn- 
licher Weise wurde, wie Basedow der der öffentlichen gewesen war.
	        
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