Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

304

1648  abgeschlofsenen  M  ünster  schen  oder
Westfälischen  Frieden  (s.  d.),  durch
h  der  Dreißigjährige  Krieg  sein  Ende
erhie
Münster,  Ernst  Friedrich  Herbert,
  Graf  von  M.=  Ledenburg,
hannbor  Staatsmann,  geb.  1.  März
766  zu  Osnabrück,  studierte  in  Göttingen
  und  trat  1788  in  den  hannöverschen
  Verwaltungsdienst  ein.  Von  1801
bis  1804  war  er  Gesandter  in  St.  Petersburg,
  ward  dann  Kabinettsminister
in  London  und  wirkte  hier  für  die  Fortsetzung
  des  Kriegs  gegen  Napoleon  I.
Sein  Ziel  war  neben  der  Befreiung
Deutschlands  die  Gründung  eines  mächtigen
  Welfenreichs  auf  dem  Kontinent
mit  einer  liberalen  Verfassung.  Am  Befreiungskrieg
  nahm  er  im  Hauptquartier
der  Verbündeten  teil  und  vertrat  Hannover
  auf  dem  Wiener  Kongreß,  wo  er  sich
vergeblich  für  die  Herstellung  des  Kaisertums
  und  die  Einführung  freiheitlicher
Verfassungen  in  den  Einzelstaaten  bemühte.
  Er  bewirkte  die  Erhebung  Hannovers
  zum  Königreich  und  führte  dort
die  ständische  Versassung  ein.  Alsdann
kehrte  er  als  Kabinettsminister  nach  London
  zurück  und  leitete  die  Vormundschaft
über  den  minderjährigen  Herzog  Karl

Münster  —  Nassau.

von  Braunschweig.  1834  erhielt  M  seine
Entlassung  und  starb  20.  Mai  1839.
Münzer,  Thoma,s,  religiöser  und  politischer
  Agitator  zur  Zeit  der  Reformation,
eboren  um  1489  zu  Stolberg  am  Harz,
#nterte  Theologie,  wurde  1520  als  evangelischer
  Prediger  nach  Zwickau  berufen
und  schloß  sich  hier  an  eine  schwärmerische
Sekte  an,  weshalb  er  seine  Stelle  verlor.
½  Allstedt  in  Thüringen,  wo  er  1523
rediger  wurde,  gründete  er  eine  geheime
Gesellschaft,  deren  Mitglieder  sich  eidlich
verpflichteten,  zur  Begründung  des  neuen
Reichs  Gottes,  des  Reichs  brüderlicher
Freiheit  und  Gleichheit,  zu  wirken.  1524
mußte  er  die  Stadt  verlassen,  trat  mit  den
Wiedertäufern  in  der  Schweiz  in  Verbindung
  und  wurde  1525  von  den  Wiedertäufern
  in  Mühlhausen  zum  Pfarrer  berufen.
  Er  riß  nun  die  Herrschaft  in  der
Stadt  an  sich,  wiegelte  die  Bauern  auf  und
eiferte  besonders  gegen  Luther.  Von  Franken
  her  eilten  die  Bauern  in  hellen  Haufen
herbei;  M.  wollte  sich  mit  ihnen  vereinien,
  wurde  aber  15.  Mai  1525  von  dem
ndgrafen  Philipp  von  Hessen  bei  Frankenhausen
  (in  Schwarzburg-Rudolstadt)
gelchlaaen  „auf  der  Flucht  ergriffen  und
.Mai  in  Mühlhausen  hingerichtet  (s.
Bauernkrieg).  «

N.

Nachod,  Stadt  im  böhm.  Bezirk  Neustadt,
  an  der  Mettau,  bekannt  durch  das
Gefecht  vom  27.  Juni  1866,  in  dem  das
preußische  5.  Korpsunter  General  v.  Steinmet
  über  das  österreichische  6.  Korps  unter
Feldmarschallleutnant  v.  Nammingsiegt-Die
  Osterreicher  verloren  5800  Mann,

darunter  1000  Gefangene,  die  Preußen  Die

1100  Mann.

Nassan,  ehemaliges  deutsches  Herzogtum,
  gegenwärtig  der  Regierungsbezirk
Wiesbaden  in  der  meußiichen  rovinz
Hessen-N.,  war  in  der  Römerzeit  von  einem
  kattischen  Volksstamm  bewohnt  und
erhielt  dann  alemannische  Bevölkerung.
Die  Bekehrung  zum  Christentum  begann
schon  im  4.  Jahrh.,  und  das  Land  gehörte

später  zu  den  Erzdiözesen  Mainz  und
Trier,  zum  kleinern  Teil  zu  Köln.  Nach
der  Unterwerfung  der  Alemannen  durch
Chlodwig  496  wurden  diese  Gebiete  zum
fränkischen  Reiche  geschlagen  und  kamen
durch  den  Vertrag  von  Verdun  843  zum
ostfränkischen,  dem  spätern  Deutschen  Reich.
ie  Grafen  von  N.  stammen  von  den
Herren  von  Laurenburg  ab,  die  sich  bis
ins  10.  Jahrh.  verfolgen  lassen.  Die  Burg
N.  wurde  zu  Anfang  des  12.  Jahrh.  erbaut
und  war  fortan  der  Stammsitz  des  Grafengeschlechts.
  Die  Grafs  chsst  wurde  1255
geteilt,  indem  Walram  II.,  der  Stifter
der  Walramscher  Hauptlinie,  die
Sesitungen  auf  dem  linken  Lahnufer,
Otto  L,  der  Stammvater  der  Ottonischen